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Dormagen: Festival der großen Kontraste

Dormagen : Festival der großen Kontraste

Spirituelle Musik bot die Romanische Nacht am Samstagabend – nach einem lebhaften Tag für den Nachwuchs. Bachs h-moll-Messe bildete den Auftakt des Festivals Alte Musik, gestern lud Hermann Max zur "Landpartie".

Spirituelle Musik bot die Romanische Nacht am Samstagabend — nach einem lebhaften Tag für den Nachwuchs. Bachs h-moll-Messe bildete den Auftakt des Festivals Alte Musik, gestern lud Hermann Max zur "Landpartie".

So viel Festival war selten: Vor einer Woche lockte eine trotz Regenwetter gelungene Auftaktveranstaltung in Zons die Musikfreunde in den Park. Vergangene Woche verwandelten Profi-Künstler Dormagener Schulen in Musik-Labore — das erstaunliche Ergebnis der jungen Kreativen durfte am Samstag in Knechtsteden bewundert werden.

Freitag- und Samstagabend wurde wieder Alte Musik auf höchstem Niveau zelebriert — Alte Musik, die frisch und neu auftritt, die entstaubt und belebt jeden Zuhörer in ihren Bann zieht. Wie bei der seit Wochen ausverkauften Landpartie mit Purcells Sommernachstraum gestern Nachmittag — und bei der Romanischen Nacht in der Basilika, die in diesem Jahr wieder samstags stattfand.

Die Romanische Nacht hat im Festival Alte Musik schon eine lange Tradition und zieht Besucher beinahe aus allen Teilen Nordrhein-Westfalens an. Die Klosterbasilika Knechtsteden ist nicht mehr so überfüllt wie in früheren Jahren, aber immerhin noch 250 Zuhörer kamen zur Begegnung zweier Kulturen.

Das erste Konzert war eine faszinierende Begegnung nordindischer Kunstmusik mit europäischem Mittelalter. Beide haben ihre Wurzeln im frühen religiösen Gesang. Für diese Verbindung steht vor allem der Sarod-Virtuose Ken Zuckerman, der beinahe vier Jahrzehnte mit dem legendären, 2009 in Los Angeles gestorbenen, Ali Akbar Khan musizierte.

Die Sarod ist ein 25-saitiges Lauteninstrument mit vollem kräftigen Ton. Die weitaus meisten Saiten sind Resonanzsaiten und sorgen für einen Hall-Effekt. Indische Ragas und europäische Lieder der Liebe verschmolzen mit diesem Instrument zu einer Einheit. Die finnische Sopranistin Hanna Järveläinen sang die Lieder, oft von der Bordunlaute Tambura zusätzlich begleitet, mit wunderbar den Gefühlsinhalten entsprechender Klarheit.

Spannend wurde es, wenn Ken Zuckermann, kongenial von Sanju Sahai an den Tabla-Trommeln begleitet, zu freien Improvisationen über die Lieder ansetzte, sich in ekstatische Virtuosität steigerte und die Sarod fast perkussiv spielte. Es war ein schöner Zufall, dass die Romanische Nacht mit dem Namenstag der Hildegard von Bingen zusammenfiel. Eine ganz besondere Würdigung zelebrierte die Frauenschola "Ars Choralis Coeln", die mit einer Prozession zur "Komplet für die heilige Hildegard von Bingen" einluden.

Das Ensemble gehört längst zu den renommierten Experten mittelalterlicher Musik und hat Aufsehen erregende Programme zusammengestellt und interpretiert. Unter der Leitung von Maria Jonas wurde die Komplet, das Nachtgebet der Kirche, zu einem intimen und spirituellen Zeugnis dieser großen Mystikerin. Die acht Sängerinnen waren solistisch ein Erlebnis, überzeugten aber vor allem durch die ungemein homogene Stimmkultur im Ensemble.

(NGZ)