Ferienparadies in Dormagen: Campen in Stürzelberg ist sehr beliebt

Campingplatz in Dormagen : Darum machen Menschen Urlaub in Stürzelberg

Zelt- und Wohnwagen-Urlaub vor der Haustür boomt: Warum kommen Menschen aus Nah und Fern ausgerechnet nach Stürzelberg? Die NGZ hat sich auf der „Strandterrasse“ bei den Heimat-Fans umgehört.

Nogger Choc ist aus, Nogger ohne Choc auch, und Calippo wird knapp am kleinen Kiosk direkt neben den Schlagbaum, hinter dem das Camper-Paradies beginnt. Mehrfach greift der Mann im gelben Hemd leicht verzweifelt zum Handy und fragt, welches Eis denn noch in Frage komme. Mit Calippo Erdbeer-Vanille zieht er von dannen. Sonja Ullrich, Betreiberin der „Strandterrasse“, verlässt den Verkaufstresen, öffnet den Schlagbaum und lässt ein Gespann mit Bergheimer Kennzeichen passieren, für dessen Insassen der Kurzurlaub schon zu Ende ist. Andere treffen gerade erst ein, den Klappstuhl unterm Arm. Es ist ein Kommen und Gehen auf der „Strandterrasse“ in den sonnigen Osterferien.

Seit fast 90 Jahren gibt es den beliebten Campingplatz zwischen Grind und Rheindorf. Auf ihrer Internetseite werben die Betreiber mit „Lebensfreude! Wie Sand am Meer“. Urlaub vor der Haustür boomt, nach Stürzelberg kommen Menschen aus Nah und Fern – warum?

Sandra und Erik Brandhorst aus Siegen verbringen dort vier bis fünf Mal im Jahr ein verlängertes Wochenende mit ihrer „Camping-Truppe“. „Viele sind aus dem Ruhrpott, der Platz liegt mittig, hier kann man sich gut treffen“, erzählt die schlanke Blonde, während sie tiefenentspannt aus dem Liegestuhl auf den Rhein blickt. „Schauen Sie doch selbst, wie schön es hier ist.“ Wirklich: Der Sand kann in der Karibik auch nicht viel feiner sein.

Fast nirgends ist es am Rhein so schön wie in Stürzelberg, finden Diana und Sascha aus Düsseldorf: Mit Tochter Finja sind sie hier, haben drei Tagestickets gelöst und genießen jetzt Aussicht und Ruhe abseits der Großstadt. „Freundlich, hilfsbereit, locker“, diese Worte fallen häufig, wenn die Rede auf Strandterrassen-Chefin Sonja Ullrich und ihren Mann kommt. „Wir waren schon auf vielen Campingplätzen, aber das hier ist der mit Abstand hunde- und kinderfreundlichste“, lobt Sandra Brandhorst.

Leben und leben lassen: Gerade weil auf der Strandterrasse zwar Hausregeln gelten, aber eine entspannte Atmosphäre herrscht, klappt alles. Obwohl viele Kinder mit Wasserspistolen ihre Runden drehen, ist es angenehm ruhig. Die Hunde trotten lässig hinter Herrchen her oder dösen im Schatten. So wie Happy, die mit ihrem Rudel aus Bad Kreuznach angereist ist: Mutter Carmen, Marlene (5) und Laurenz (8). Papa Carsten ist gerade in einem Urlaubsflieger, mit dem der Pilot morgens von Düsseldorf abhebt und den er abends dort wieder parkt. Dann geht es schnurstracks nach Stürzelberg. Damit die Kinder ihre Osterferien mit dem Papa verbringen können, hat Familie Schubert sich die Strandterrasse ausgesucht. Sie alle finden den flunderflachen Niederrhein fabelhaft, „wir können hier endlich mal ganz viel Fahrradfahren ohne Berge“, sagt Carmen Schubert lachend.

Leben auf Zeit im Wohnwagen, man liebt oder hasst es. Oder hat Kleingeld und Geschick, sein Campingleben auf solidere Füße zu stellen. So wie Kai Buschmann. Mit Lebensgefährtin Elke Braunsdorf bewohnt der selbstständige Kfz-Meister ein himmelblaues Tiny House mit Rheinblick. So neu, das noch der aromatische Holzgeruch den Raum füllt. Klimaanlage, Flachbildschirm, E-Bike und das chromglänzende 130-PS-Boot vor der Tür. „Wenn ich zu Hause bin, fahre ich doch in die Firma oder jemand klingelt und will was. Hier hab ich meine Ruhe“, erklärt Buschmann. Ruhe haben, das treibt wohl auch Walter Abels an, dessen Wohnwagen neben dem Tiny House steht – seit 40 Jahren am gleichen Platz. Nur, dass Abels (85) statt 50 nur fünf Kilometer Heimweg hat – nach Delrath.

Gerade erst hat Oliver Eggermann den frisch bezogenen Platz gepflastert, noch liegt kein Stäubchen auf den Gartenmöbeln und die pinken Hortensien im Pflanzkübel leuchten. Pflegetochter Sharina (12) und Pflegesohn Jannik (3) sollen hier unbeschwerte Wochenenden verbringen. Gerade tapst Jannik mit einem Teller Gulasch heran, den ihm die Nachbarin befüllt hat. „Lass es Dir schmecken, Jannik“, ruft „Oma“ Geli herüber, und Jannik gluckst. Auf dem Campingplatz ist man nie allein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht der Campingplatz in Stürzelberg aus

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