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Familienbüro-Serie: Hebammen begleiten Familien durchs erste Lebensjahr

Familienbüro in Dormagen : Hebammen begleiten Neu-Familien

Das erste Lebensjahr eines Kindes kann für Eltern zu einer großen Herausforderung werden, besonders durch den Druck von außen. Vielen Familien kommt dabei die Hilfe einer Familienhebamme zugute.

Sie begleitet, entlastet und berät die Eltern in dieser wichtigen und spannenden Zeit.

Durch eine Zusatzqualifikation ist es Violetta Misch und Susanne Huth möglich, die Rolle der Familienhebamme für den Dormagener Sozialdienst zu übernehmen. Beide waren über 20 Jahre lang als klassische Hebamme im Rheinland Klinikum Dormagen in Hackenbroich tätig. Dort waren sie für die Zeit während der Schwangerschaft, der Geburt und zwölf Wochen danach für die Familien zuständig. Heute umfasst ihre Arbeit eine viel größere Zeitspanne. Sie können die Familien während der Schwangerschaft, dem Wochenbett und sogar bis zum ersten Geburtstag des Kindes betreuen.

Der Job als staatlich examinierte Hebamme mit Zusatzqualifikation umfasst ein viel breiteres Aufgabenspektrum. Ebenso wie eine klassischen Hebamme befasst sich die Familienhebamme unter anderem mit der Stillberatung, der Säuglingspflege sowie der Anleitung der Eltern. Darüber hinaus gehören auch die Begleitung zu Ärzten, Ämtern und Kliniken, die Gesundheitsförderung der primären Bezugspersonen des Kindes als auch der Aufbau eines sozialen Netzwerkes für die Familien zu ihren Aufgaben.

Huth und Misch sind für all diejenigen zuständig, die vor besonderen Herausforderungen stehen. Dazu gehören beispielsweise alleinerziehende, junge Mütter, Mütter die wenig Unterstützung durch ihre eigene Familie erhalten, Familien mit Frühchen und Krankenkindern, sowie kranke Mütter. Auch helfen die Familienhebammen Flüchtlingen, die das deutsche Gesundheitssystem noch nicht so gut kennen. Und das trotz Sprachbarriere: „Mit Händen, Füßen und Google-Übersetzer klappt das hervorragend“, sagt Huth.

Misch spricht auch von der Rolle der beiden als Lotsinnen: Wenn sie selbst nicht weiterhelfen können, machen sie die Eltern auf andere aufmerksam, die das vielleicht können. Zu ihren Kooperationspartnern gehören beispielsweise die Caritas mit der Schwangerschaftsberatung, der Babyclub, das Jugendamt oder aber auch das Elterncafé. „Wenn sie wollen, dann gehen wir da auch zusammen hin“, erklärt Misch.

Die Unterstützung der beiden kann als eine sogenannte zielorientierte Betreuung bezeichnet werden. Dafür besprechen die Familienhebammen gemeinsam mit den Eltern, was genau sie erreichen wollen und wo sie glauben Hilfe zu benötigen. Einigen Müttern fällt es beispielsweise schwer, nach der Geburt allein mit dem Kind raus zugehen, auch dabei können die Beiden helfen. Die Häufigkeit der Besuche wird dann gemeinsam mit den Eltern abgesprochen.

Und wer jetzt glaubt, nur Familien mit einem sozial schwachen Hintergrund würden sich an die zwei engagierten Frauen wenden, liegt falsch. „Das Leben ändert sich total, wenn ein Kind auftaucht, und das ist eine Situation, die für viele Menschen oft sehr schwierig ist“, erklären die beiden Familienhebammen.