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Familie Hartmann ist in der Kirmesgesellschaft Selde Blömche sehr aktiv.

Kirmesgesellschaft „Selde Blömche“ : Familiensache Selde Blömche

Die Kirmesgesellschaft „Selde Blömche“ 1935 Ückerath ist kein Verein wie jeder andere. Sie wurde einst ins Leben gerufen, weil die Gründer ihr Hobby gemeinsam ausüben und darüber hinaus der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen wollten.

Und dieser Prämisse folgen die zahlreichen Mitglieder auch heute noch, 83 Jahre, nachdem die Gesellschaft aus der Taufe gehoben worden war: „Ich bin zwar auch Mitglied der Schützenbruderschaft Nievenheim, aber die Kirmesgesellschaft war immer mein Verein. Schon mein Vater war dort im Vorstand aktiv“, berichtet Peter Hartmann senior.

Der 75-Jährige hat nach einer spanne von 51 Jahren Mitgliedschaft, 34 Jahren Vorstandsarbeit und zehn Jahren im Amt des 1. Vorsitzenden beschlossen, den Staffelstab weiterzugeben - und zwar an seinen nicht minder kirmesverliebten Sohn, Peter Hartmann junior. Ebenso wie seinen Vater zeichnet den 27-Jährigen ein gutes Händchen und Gespür aus. „Als Vorsitzender braucht man schon ein dickes Fell und muss auch mal eine Faust in der Tasche machen können. Wichtig ist aber vor allem, dass sich die Frauen untereinander verstehen.“ Diese dürften zwar keine Mitglieder der Kirmesgesellschaft sein, seien aber mit ihrem unermüdlichen Engagement zuweilen die Motoren bei Veranstaltungen und Aktivitäten.

„Die Kirmesgesellschaft ist wie eine große Familie“, betont der Senior, für den der Höhepunkt im Jahreskalender nach wie vor die Kirmes ist: Am Kirmesfreitagabend wird der KG-Kirmespatron „Zachäus“ zum Leben erweckt und gleichzeitig die Erlaubnis für die Austragung der Ückerather Kirmes eingeholt. Der anschließende Fackelzug erfreut sich seit eh und je großer Beliebtheit bei Alt und Jung. Kein Wunder, denn die Fackelbauer verstehen es, aktuelle Themen kreativ und humorvoll darzustellen. Für den Fackelbau stellen die Hartmanns den „Handwerkern“ die große Halle ihrer Tiefbau-Firma zur Verfügung.

Der Kirmessamstag gehört traditionell dem amtierenden Hahnenkönig und seiner Königin. Tagsüber sind die Vorstandsmitglieder gefragt, die Pflichten gemeinsam zu erfüllen, während abends beim Königsball mit den Gästen umso ausgelassener gefeiert wird. Am Sonntag findet am Nachmittag das traditionelle Hahnenköppen auf dem neuen Kirmesplatz statt. Das Grundstück liegt hinter der Gaststätte „Manes am Bösch“ und wurde im Jahr 2003 zu einem zünftigen Kirmesplatz ausgebaut und vor zehn Jahren feierlich eröffnet.

Neben der Kirmes liegt aber Peter Hartmann senior vor allem eines am Herzen: „Wir sind immer darauf bedacht, etwas für die Bevölkerung zu tun.“ Das bedeutet auch, die Kontakte zu den unverzichtbaren Sponsoren zu pflegen und bei Einkäufen dem Dorf dann etwas zurückzugeben. „Wir besorgen alles vor Ort, was wir hier bekommen können. Die Geschäftsleute wissen um diese Win-win-Situation und sind sehr zufrieden damit“, sagt Hartmann. Nicht nur der Bevölkerung, sondern auch ihren Mitgliedern will die Kirmesgesellschaft etwas Gutes tun: „Eine Woche nach der Kirmes unternehmen wir einen Busausflug. Die Teilnehmer zahlen nur einen kleinen Beitrag, den Rest übernimmt die Kirmesgesellschaft.“ Außerdem ist der Vorstand das ganze Jahr über präsent, wenn es darum geht, Glückwünsche für einen runden Geburtstag oder ein Ehejubiläum zu überbringen.

Ganz frisch ist nun der Sohn des erfahrenen KG-Mitglieds Vorsitzender. „Wir haben oft und lange darüber gesprochen, denn ein solches Amt ist nicht ohne“, weiß der Senior. Das erfordert eine gezielte Vorbereitung. Zwei Jahre lang war Peter Hartmann junior 2. Vorsitzender und wurde, wie sein Vater sagt, „langsam eingearbeitet“. Bei der Generalversammlung Ende April war es dann soweit: Der Wechsel wurde bekannt gegeben, Peter Hartmann junior wurde als Vorsitzender gewählt. „Zu meinen Aufgaben gehört es unter anderem, Versammlungen einzuberufen – dazu zählen zum Beispiel die vier bis fünf Vorstandsversammlungen im Jahr – sowie alle Belange des Vereins zu regeln“, sagt der Junior. Darüber hinaus geht sämtlicher Schriftverkehr über seinen Schreibtisch. Apropos schreiben: Im Vorstand fehlt aktuell noch ein 1. Schriftführer.

„Ich bin seit 24 Jahren Mitglied in der Kirmesgesellschaft, also fast mein ganzes Leben lang“, sagt Peter Hartmann junior. „Der Vorstand hält gut zusammen, jeder steht für den anderen ein. Es sind alle gerne dabei – das muss auch so sein, denn es kommen schnell viele Stunden ehrenamtliche Arbeit zusammen.“ Gemeinsam mit dem neuen 2. Vorsitzenden Ralf von Zons will Peter Hartmann die Erfolgsgeschichte der Kirmesgesellschaft fortführen. „Wir sind eine richtig sozial eingestellte Gesellschaft, und die Mitglieder sind sehr zufrieden. Das soll auch so bleiben“, umreißt der neue Vorsitzende seinen Vorsatz für die Zukunft.