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Dormagen: Fall Kolmorgen: Mehr Geld unterschlagen

Dormagen : Fall Kolmorgen: Mehr Geld unterschlagen

Bei der Mitgliederversammlung der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft kamen neue Fakten auf den Tisch: Der Schaden für den Verein liegt jetzt bei 32 000 Euro. Bürgermeister-Gattin Bärbel Hoffmann ist die neue DHG-Präsidentin.

Der Schaden bei der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft, für den Ex-Präsident und Schatzmeister Ingo Kolmorgen verantwortlich gemacht wird, ist größer als bisher angenommen: Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstag Abend musste Geschäftsführerin Lucie Heydt konstatieren: "Anfangs sind wir von einem Schaden in Höhe von rund 24 000 Euro durch illegale Abbuchungen ausgegangen. Jetzt wissen wir, dass 2010 auch Bundesschatzbriefe der Gesellschaft ohne unser Wissen veräußert wurden." Damit beläuft sich der Gesamtschaden auf über 32 000 Euro.

Diese Schadensbilanz zog eine sichtlich getroffene Heydt. In der Versammlung kam die ganze Dimension des "Falls Kolmorgen" auf den Tisch. Nicht nur die Guthaben auf dem Vereinskonto und einem Sparbuch wurden abgeräumt. "Auf einem Sonderkonto, das ursprünglich zu einer Buchfinanzierung eingerichtet worden war und zwischenzeitlich wieder auf Null stand, wurde ein ungenehmigter Kredit von 9880 Euro aufgenommen", so Heydt. Der ehemalige Präsident und kommissarische Schatzmeister Kolmorgen habe, so Heydt, zunächst jedoch beteuert, dass die im Vereinseigentum befindlichen Bundesschatzbriefe noch vorhanden seien. Dem war nicht so. Tränen flossen nicht nur bei ihr, als sie mit bebender Stimme den Kassenbericht vortrug. "Zwischen Vereins- und Privatkonten wurden Gelder immer wieder geschickt hin und her geschoben. Da alle anstehenden Rechnungen bezahlt wurden und keine Mahnungen eingingen, blieben diese Manipulationen leider unentdeckt", so Heydt. So bezahlte Kolmorgen, der inzwischen nach St. Augustin gezogen ist, offenbar Rechnungen für seine Kontaktlinsen über das DHG-Konto, beglich aber auch DHG-Rechnungen über sein Privatkonto. "Ich bin betroffen von der Art und Weise, wie wir getäuscht wurden", sagte Detlev Zenk, einer der Kassenprüfer.

Erst als eine Jugendherbergsrechnung beim jüngsten Aufenthalt der "Banda de Musica" aus Toro nicht mehr beglichen werden konnte, da keine Deckung auf dem Vereinskonto vorhanden war, fielen die privaten Abbuchungen auf. Nach etlichen Telefonaten, nicht eingehaltenen Versprechungen Kolmorgens, das Geld zurückzuzahlen, erstattete der DHG-Vorstand schließlich Ende Juli Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue.

Trotz des finanziellen Schocks ist die DHG in der Lage, ihre Vereinsarbeit fortzuführen. Das Konzert der Gruppe "Tierra Negra" am 17. November in der Kulturhalle ist kostendeckend. Für einen Besuch der toresanischen Folkloregruppe "Tio Babu" beim Michaelismarkt sind Spendenmittel vorhanden. "Durch die Verfehlungen eines Einzelnen darf es nicht dazu kommen, dass der Verein mit seinem wichtigen Engagement für den Kulturaustausch und unsere Städtepartnerschaft mit Toro zugrunde gehen", sagte Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann, der als Ehrenpräsident der DHG die Versammlungsleitung übernahm.

Um finanziell handlungsfähig zu werden, baut der Vorstand auf Sonderaktionen wie einen Speisen- und Getränkeverkauf beim Michaelismarkt und zugesagte Hilfsspenden. Weitere 1600 Euro können durch den Verkauf von Restbeständen des Bildbandes über Zons mit deutschen und spanischen Texten erzielt werden. Der Verein wird Schadensersatzforderungen gegenüber Kolmorgen rechtlich geltend machen.

(NGZ)