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Dormagen: Fahrer trainieren Spritsparen

Dormagen : Fahrer trainieren Spritsparen

Unternehmer in Dormagen ächzen unter den hohen Spritpreisen. Aufgrund langfristiger Verträge können sie die gestiegenen Kosten oft nicht an die Kunden weitergeben. Dafür steht spritsparendes Fahren hoch im Kurs.

Der vergangene September war ein Rekordmonat: Noch nie war Benzin so teuer. Bei Super waren es 1,50 Cent mehr als im August, im Vergleich zu August 2011 sogar 8,8 Cent mehr. Unter diesen hohen Preisen ächzen nicht nur die vielen Dormagener Pendler, sondern auch viele Gewerbetreibende.

Auch die Taxifirmen stöhnen unter den hohen Spritpreisen. In Dormagen steuern Unternehmer gezielt am Wochenanfang die Zapfsäulen an. Foto: UM

Besonders hart getroffen haben die hohen Spritpreise Speditionen, Taxiunternehmen und Fahrschulen — bei einigen macht sich sogar Resignation breit. "Das ist alles zum Kotzen", gesteht Wolfgang Stracke, Chef der Spedition Malzburg. "Ich weiß nicht, wo das hingehen soll. Die Kosten für Diesel steigen permanent, dazu kommt noch die Maut für unsere Lkw."

Bei der Spedition Malzburg schickt Firmenchef Wolfgang Stracke seine Fahrer zu Trainings, in denen ihnen auch das kostensparende Fahren vermittelt wird. Foto: JAZYK

Eine Weitergabe an die Kunden sei nicht so einfach möglich. "Wir haben mit unseren Kunden feste Verträge mit langen Laufzeiten, da kann man nicht einfach die Preise erhöhen", fügt Stracke hinzu. Im Vergleich zu spritsparenden Kleinwagen sind Brummis wahre Spritschleudern. Sie verbrauchen im Schnitt etwa 35 Liter auf 100 Kilometer — so kauft die Spedition Malzburg rund 60 000 Liter Diesel pro Monat. "Unsere Fahrer müssen bis 2014 verschiedenste Module für ihre Ausbildung zum Berufskraftfahrer absolvieren. Auf diesen bekommen sie auch spritsparendes Fahren beigebracht", erklärt Stracke.

Denn ein angepasstes Fahrverhalten kann helfen, Sprit zu sparen. Das bringt Fahrlehrer Dieter Roebers seinen jungen Fahranfängern bei. Während früher davor gewarnt wurde, untertourig zu fahren, rät der Fahrlehrer heute dazu, "ab 2000 Umdrehungen hoch schalten". Auch im Theorieunterricht gehört das Spritsparen fest zum Lehrplan. Ähnlich wie auch der Spediteur Stracke kann Roebers jedoch die gestiegenen Kosten nicht an die Kunden weitergeben. "Der Vertrag geht über ein Jahr, da ist der Fahrlehrer der Dumme."

Schlauer ist da Petra Kretschmar, die mit ihrem Mann einen Limousinenservice betriebt: "Bei uns ist der ständig steigende Benzinpreis schon in die Kosten eingerechnet." So kostet eine Stunde mit Chauffeur in einer der 8,6 Meter langen amerikanischen Limousinen Baumarke Lincoln 160 bis 180 Euro. "Unsere Autos verbrauchen allerdings auch 20 Liter auf 100 Kilometer", fügt Kretschmer hinzu. "Daher fahren wir immer am Anfang der Woche tanken, das kann schon mal zehn Cent Unterschied machen."

Vor drei Jahren hatte Kretschmer überlegt, ob sie die Limousinen auf Gasbetrieb umstellen sollte, nur leider habe es damals noch keine Gas-Tankstelle in Dormagen gegeben. "Dann wären wir von den Spritpreisen unabhängiger gewesen", fügt sie hinzu.

(NGZ)