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Dormagen: Extrem-Kampfsport am stillen Feiertag

Dormagen : Extrem-Kampfsport am stillen Feiertag

Mixed Martial Arts, gemischte Kampfkünste, gehören wegen großer Härte mit Schlägen und Tritten auch im Kampf am Boden zu den umstrittensten Sportarten. Heute findet eine solche Veranstaltung in der TSV-Halle statt - trotz Feiertag.

Muskelbepackte Kämpfer, barfuß und mit blankem Oberkörper gehen aufeinander los, boxen, ringen, treten - selbst wenn der Gegner schon am Boden liegt. Jenseits der käfigartigen Umzäunung, in der die Kontrahenten sich aufs Heftigste bearbeiten, sitzt oder steht die Masse der Zuschauer. Es wird angefeuert, gebrüllt, geflucht. Verzerrte Gesichter, erhobene Fäuste. Die Bilder in Internet-Videos sprechen eine deutliche Sprache: Mixed Martial Arts-Veranstaltungen sind nichts für sensible Naturen. Zu einem stillen Feiertag wie Allerheiligen passen sie so gut wie Senf auf Marmelade. Trotzdem findet heute in Dormagen eines dieser höchst umstrittenen Kampfsportspektakel statt. Veranstalter der "Fair Fighting Championship" sind Isa Topal und Kevin Saszik; der TSV Bayer hat seine Halle zum wiederholten Male für ein solches Ereignis vermietet.

TSV-Geschäftsführer Frank Neuenhausen sieht darin auch kein Problem. "Für uns ist das Kampfsport. Bei den beiden bisherigen Veranstaltungen dieser Art in unserer Halle lief alles problemlos, es gab keine Auffälligkeiten", betont Neuenhausen.

Beurteilen wolle er die Kämpfe nicht, schon gar nicht moralisch: "Das steht mir gar nicht zu." Die Veranstalter hätten im August angefragt, ob sie die Halle mieten könnten - und den Zuschlag bekommen. Anfragen würden vom TSV "von Fall zu Fall bewertet", sagte Neuenhausen. In diesem gebe es keine Bedenken. Auch bei der Polizei gibt man sich betont gelassen - obwohl die Veranstalter laut Kevin Saszik mit über 3000 Besuchern rechnen und das Publikum bei MMA-Veranstaltungen nicht gerade als zartbesaitet gilt. Fakt ist, dass die Beamten vor Ort sein und ein Auge auf die Zuschauer haben werden. "Wir bereiten uns auf dieses Event genauso vor wie auf eine andere Sportveranstaltung", sagt Polizeisprecherin Diane Drawe.

Vertreter von Stadt und Polizei hätten über die Veranstaltung gesprochen und sich abgestimmt, berichtet Dormagens Stadtsprecher Harald Schlimgen. Die Kommune erteilte den Veranstaltern einige Auflagen: So müssen Sicherheitskräfte anwesend sein, Alkohol darf nicht ausgeschenkt werden. Wegen des Feiertages dürfen die Kämpfe erst am Abend stattfinden. "Aber wir haben keine Handhabe, die Genehmigung für die Veranstaltung selbst zu untersagen", erklärt Schlimgen.

Ursprünglich wollten Isa Topal und Kevin Saszik die "Fair Fighting Championship" in Herne austragen. Doch aufgrund des großen Zuschauerinteresses sei die Halle dort zu klein, berichtet Isa Topal in einem Interview mit dem Kampfsportportal "GroundandPound TV". Dem Publikum verspricht er spannende Kämpfe und die "Möglichkeit, zu schreien und zu fluchen".

Peter Stelten, Pfarrer an St. Michael, ist ein klarer Gegner solcher und ähnlicher Veranstaltungen an Allerheiligen. "Ich finde das respektlos. Es muss Tage geben, an denen wir uns gesellschaftlich zurückhalten. Wenn wir uns ständig zudröhnen, werden wir irgendwann haltlos und besinnungslos." Gerade Besinnung sei aber mitunter nötig.

(NGZ)