Exotische Tiere in Zons: Die Igel-Mama und ihre Schützlinge

Ungewöhnliche Haustiere in Zons : Die Igel-Mama und ihre Schützlinge

Nora Waldeck züchtet seit sieben Jahren afrikanische Weißbauchigel. Gerade erst gab es Nachwuchs: elf kleine, stachelige Igel-Babys.

Igel-Mama Snow holt kräftig aus zum Gähnen. Sie ist ziemlich müde – immerhin ist es noch hellichter Tag, und Igel sind dämmerungs-  bis nachtaktiv, wie Besitzerin Nora Waldeck mir erklärt. Ein „Wie süß!“ würde beim Anblick des kleinen, gähnenden Stacheltiers, das um seine Jungen herumsitzt, wohl jedem herausrutschen – bis sich seine kleinen Vampir-Zähnchen zeigen. Was ist denn bitte das? Klein, spitz, gar nicht so süß und irgendwie heimtückisch blitzen die zwei langen Beißerchen heraus, und Mama Snow wird zur Fledermaus in Stachelkleid. „Die können ganz schön zwicken“, erkärt Nora Waldeck.

Die 30-Jährige gebürtige Zonserin gehört zu einer von sehr wenigen Igel-Züchtern in Nordrhein-Westfalen. Im Rhein-Kreis Neuss ist sie die einzige. Begonnen hatte alles vor etwa sieben Jahren. „Mit der ersten eigenen Wohnung wollte ich auch ein eigenes Haustier“, sagt Waldeck, die als Erzieherin in Köln arbeitet. Über diverse Internet-Foren und durch einen Fernseh-Beitrag sei sie auf den afrikanischen Weißbauchigel gekommen – eine Igel-Art, die seit Generationen in menschlicher Obhut lebe.

Damm kamen ihre ersten Igel: Tara und Maili. Nach und nach wurden es mehr, auch Igel aus schlechter Haltung habe sie aufgenommen, so Waldeck. Und dadurch sei sie auch zur Zucht gekommen: „Eine Igel-Dame aus schlechter Haltung war tragend, aber die Geburt lief nicht gut. Alle Babys sind gestorben“, bedauert Waldeck. Der Anblick der kleinen, süßen, kugeligen Wesen habe sie aber schließlich nicht mehr losgelassen. Im April 2016 sei erster eigener Wurf geboren worden, sagt Waldeck. Und so ging es weiter. „Mittlerweile bin ich beim I-Wurf.“ – bedeutet der neunte. Die letzten drei Würfe seien aber fast gleichzeitig geboren, und das sei noch gar nicht so lange her. „Das war am 26., 27. und 28. Februar“, sagt Waldeck.

Doch gibt es tatsächlich so viele Igel-Abnehmer in Deutschland? „Meine Igel sind jetzt schon fast alle reserviert. Ich behalte einen aus jedem Wurf, aber der Rest wird abgegeben“, erklärt Nora Waldeck. Dabei achte sie allerdings genau darauf, wem sie ihre exotischen Kleinsäuger anvertraut. „Viele kommen durch irgendwelche Instagram-Videos an den Igel“, erzählt Waldeck. Das soziale Netzwerk würde aber oftmals einen komplett falschen Eindruck der Tiere vermitteln. „Sie sind keine süßen Kuscheltiere, sondern Charaktertiere“, sagt Waldeck. Immer wieder würden Igel wegen falschen Vorstellungen falsch gehalten, sagt sie. Deswegen habe sie in Kooperation mit anderen Züchterin eine Facebook-Seite ins Leben gerufen, die schlecht gehaltene oder abzugebende Igel neu vermittelt: „Zweite Chance für afrikanische Weißbauchigel“.

Mit Vorurteilen und falschen Darstellungen im Netz möchte Waldeck aufräumen. Deswegen klärt sie potentielle Igel-Halter auf ihrer privaten Webseite über alle Details auf. „Käfig-Haltung ist zum Beispiel ein No-Go“, sagt Waldeck, „Igel müssen es warm haben.“ Zur Nahrung der Kleinsäuger gehörten Insekten, Fleisch oder hochwertiges Katzenfutter. Und: Igel brauchen Platz. „In der Natur würden sie nachts kilometerweit laufen.“ Deswegen hat Nora Waldeck ihren zehn Mädels, sechs Jungs und vier Tenreks (igelähnliche Art) gleich ein ganzes Zimmer in ihrer Wohnung in der Zonser Altstadt gewidmet. Acht Terrarien sind darin untergebracht.

Ihre „Igelchen“, wie sie sie manchmal nennt, möchte Nora Waldeck jedenfalls nie wieder missen – Zucht und Haltung sind für eine Leidenschaft geworden. Und auch an ihrem Umfeld gehe ihr ungewöhnliches Hobby nicht ungeachtet vorbei: Auf ihrem Sofa häufen sich die geschenkten Igel-Kissen und -Kuscheltiere, auch eine Igel-Decke zum Wärmen gehört dazu. Die brauchen Waldecks Igel eher nicht: Sie kuscheln sich bei warmen 24 Grad im Terrarium zusammen und dösen noch eine Runde, bis der Abend anbricht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist die Igel-Mama aus Zons

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