Dormagen: Ex-Tatort-Star Michael Fitz überzeugt als Liedermacher

Dormagen : Ex-Tatort-Star Michael Fitz überzeugt als Liedermacher

Unterhaltsamer Kulturkirchen-Abend mit eigenen Songs, gutem Gitarrenspiel, nachdenklich stimmenden Texten und ganz viel Gefühl.

Leichte Sorgen machte sich Michael Fitz schon, ob sein rheinisches Publikum ihn mit seiner bayrischen Mundart versteht... Aber er überzeugte mit Gesang, Gitarrenspiel und Geschichten zu seinen Liedern, die der Ex-Tatort-Kommissar (von 1992 bis 2007 spielte er Carlo Menzinger aus München) sympathisch im Evangelischen Gemeindesaal präsentierte.

In der Konzertreihe "Friday Night" waren vor mehr als 40 Zuhörern eher leise und nachdenkliche, aber nicht weniger unterhaltsame Töne, vor allem vom 15. Album "Des bin I" von 2015 angesagt. So war auch der Veranstalter, Pfarrer Frank Picht, zufrieden: "Es waren sehr abwechslungsreiche Lieder, die Michael Fitz toll umgesetzt hat", lobte Picht den "sehr umgänglichen, gar nicht eingebildeten Typ".

Natürlich spielte der 58-Jährige augenzwinkernd auch mit den Erwartungen einiger Zuschauer: "Ach, sind Sie nicht der Dings aus dem Fernsehen?" oder "Schreibn's doch mol a Liebslied" - so zitierte er übliche Ansprachen aus dem Publikum. Aber auch falls jemand wegen des Tatorts neugierig "Den schaue ich mir mal an" gedacht haben sollte, wurde er mit einem tollen Abend belohnt, bei dem es nicht um einen Schauspieler, sondern einen Liedermacher mit sehr angenehmer Stimme ging, der mit Leidenschaft und viel Gefühl seine Musik und Texte - immer in Kommunikation mit dem Publikum - vortrug: "Entspannen Sie sich, auch wenn Sie vielleicht nur jedes fünfte Wort verstehen", riet er zu Beginn, um dann festzustellen, dass gerade die nachdenklich stimmenden Lieder über Eigenarten der Menschen, dem Umgang mit Fremden ("d'r b'such") und zwischenmenschliche Beziehungen besonders viel Applaus erhielten.

Fitz überzeugt mit Alltagssituationen: Die fehlende Risikobereitschaft ("hinterm zaun"), die dazu führen könne, dass ohne eigene Persönlichkeit andere das Leben bestimmten, das Ansingen gegen "die Lauten" und den Hass, aber auch den Wissensdurst der ersten Verliebtheit, die Zweifel ("brauch i di denn in mei Leb'n?") oder das Rechthaben-Wollen - all das kommt an, ebenso wie seine Selbstreflexion, z.B. bei "hinter meiner stirn".

Und als er sich nach zweieinhalb Stunden verabschiedete, sagte Michael Fitz: "Schön war's hier bei Euch - und vielleicht sehen wir uns hier ja auch mal wieder." Die begeisterten Zuschauer spendeten langanhaltenden Applaus.

(cw-)
Mehr von RP ONLINE