Ex-Pirat Lukas Lamla zurück bei Feuerwehr in Dormagen

Ex-Landtagsabgeordneter der Piraten : Lukas Lamla ist wieder Feuerwehrmann in Dormagen

Der Neusser Lukas Lamla ist Feuerwehrmann in Dormagen. Der Brandmeister war fünf Jahre lang Landtagsabgeordneter der Piraten.

Er hätte noch stundenlang erzählen und diskutieren können: über Digitalisierung, über die Herausforderung, vor denen Deutschland steht und über die Themen, die in der Tagespolitik viel zu wenig Beachtung finden. Aber Lukas Lamla ist raus aus der aktiven Politik. Vor einem Jahr platzte die Hoffnung, dass die Piraten-Partei länger durchhält als nur eine Wahlperiode im Landtag. Die herbe Schlappe mit nur ein Prozent der Stimmen hat der 35-Jährige inzwischen verschmerzt. Lamla ist längst wieder im normalen Berufsleben angekommen und das heißt für den Neusser: Dienst bei der Dormagener Feuerwehr. Ein (Rück-)Schritt, der ihm gefällt, weil ihm die Arbeit zusagt und die Kameradschaft unter den Kollegen. Politisch ist er „passiv“, wie er sagt. Zwar weiterhin Mitglied der Piraten, aber sein neues Arbeitsfeld in seiner Freizeit ist grüner Rasen: Als Geschäftsführer des VfR Neuss versucht er mitzuhelfen, den einst ruhmreichen Klub wieder nach oben zu hieven. Immerhin gelang vor wenigen Wochen der Aufstieg aus der untersten Liga in die Kreisliga B. „Da muss ich überparteilich sein.“

Fünf Jahre Landtag haben Lamla geprägt. Und zu neuen Einsichten geführt: „Politik bedeutet oft, ganz dicke Bretter zu bohren“, sagt er, „und das hat auch seine Berechtigung, um keine überhastete Entscheidungen zu gesellschaftlich sehr relevanten Entwicklungen zu treffen“. Die Piraten sind zwar raus aus den Parlamenten, die wichtigen Themen sind geblieben, meint Lamla. „Es geht um Zukunftsfragen, zum Beispiel, wie wir in 30, 40 Jahren leben wollen? Im politischen Tagesgeschäft geht so etwas unter, weil die Politik auf die Wahlperiode von fünf Jahren ausgerichtet ist und alles auf Wiederwahl getrimmt wird Aber damit müssen wir uns befassen.“ Daher seien die Piraten so wichtig für das politische System, versichert Lamla, als „politisches Experimentier-Labor. Aber die Menschen haben zurzeit keine große Lust auf Experimente, dafür habe ich auch Verständnis.“

Die Bienenzucht als Hobby

Dass der Neusser, der vor kurzem nach Holzheim gezogen ist, wo er auch seinem Hobby, der Bienenzucht, nachgeht, nicht mehr täglich ins Abgeordnetenhaus in Düsseldorf geht, findet er überhaupt nicht schlimm. „Abgeordneter zu werden hatte ich nie geplant“, sagt Lamla. Seine politische Karriere bezeichnet er als „Notwehr, weil ich der Meinung war, dass ich es besser kann“. Plötzlich war er auf Platz zwei der Landesliste und dann im Landtag „da habe ich nur gestaunt“. Es folgten „70- bis 80-Stunden-Wochen“. Und Konferenzen mit Piraten aus 40 Ländern, „da herrschte eine tolle Aufbruchstimmung.“ Wehmut verspürt Lamla dennoch nicht, denn in seinem Herzen ist er immer auch ein großes Stück weit Feuerwehrmann geblieben.

Der Kontakt zu den Kollegen riss nie ab, Lamla blieb in der Whatsapp-Gruppe. Seinen politischen Aufstieg begleiteten sie mit Stolz, sagt er, „das war für mich auch ein schönes Gefühl“. „Ich hatte noch lange meinen roten Einsatz-Spindkasten mit meinem Namen, das war mein Ankerpunkt.“ Seit vergangenem Oktober ist er zurück, arbeitet in der Hauptwache an der Kieler Straße auch als Rettungsassistent und fährt dann im „RTW“ zu Notfällen. Dann ist der Pirat in ihm ganz weit weg.

Mehr von RP ONLINE