Dormagen: Erfolgreiche Starthelferin für Drillinge

Dormagen : Erfolgreiche Starthelferin für Drillinge

Andrea Bierewirtz kam, als Familie Gödderz nach einer Drillings-Geburt in Not war. Inzwischen sind die Drillinge volljährig – und die Familie ist ihrer Familienpflegerin von der Caritas immer noch dankbar.

Andrea Bierewirtz kam, als Familie Gödderz nach einer Drillings-Geburt in Not war. Inzwischen sind die Drillinge volljährig — und die Familie ist ihrer Familienpflegerin von der Caritas immer noch dankbar.

Foto: Caritas

Drei Kinder blicken aus großen blauen Augen in die Kamera. Lebhaft, neugierig, fröhlich, bereit für Entdeckungen. Andreas, Rebecca und Thomas sind knapp ein Jahr alt. Ein zweites Bild: Drei junge Erwachsene blicken aus immer noch blauen Augen in die Kamera. Lebhaft, neugierig, fröhlich, bereit für Entdeckungen. Andreas, Rebecca und Thomas sind jetzt 18. Die Frau in der Mitte ist nicht ihre Mutter, aber sie hat einen Teil dazu beigetragen, dass aus der Dreier-Rasselbande junge Menschen geworden sind, denen die Zukunft offen steht. Andrea Bierewirtz ist Familienpflegerin beim Caritasverband.

Andreas, Rebecca und Thomas waren sozusagen ihr erster Auftrag. Die Drillinge kamen am 24. April 1995 auf die Welt. Die Eltern, Astrid und Stephan Gödderz, schwankten damals zwischen Euphorie und Überforderung. Der Vater war zu der Zeit Schichtarbeiter und entsprechend unregelmäßig zu Hause. Und weil die alte Wohnung für den Dreifach-Nachwuchs zu klein war, baute Familie Gödderz nebenbei auch noch neu. Astrid Gödderz schwante schon vor der Geburt, dass sie Hilfe brauchte. "Ich bin von hü nach hott gelaufen", erzählt sie. Schließlich landete sie in der Bürgermeister-Sprechstunde, von der sie in der Zeitung gelesen hatte. Heinz Hilgers hatte ein Ohr für die Nöte der angehenden Drillings-Mutter und empfahl ihr den Caritasverband. Der engagierte sich im Bereich Familienpflege. Zwei examinierte Familienpflegerinnen standen zur Verfügung, erinnert sich Monika Steffen, die die Einsätze des mittlerweile auf acht Familienpflegerinnen angewachsenen Teams bis heute koordiniert. Und so kam Andrea Bierewirtz zu der Familie. Die Kinder waren inzwischen da und Astrid Gödderz im Dauereinsatz. Windeln wechseln und Fläschchen geben, Babywäsche waschen im Akkord. Wenn nachts das letzte Kind satt war, hatte das erste wieder Hunger. Andrea Bierewirtz war in dieser Situation die dringend benötigte helfende Hand und ein ruhender Pol. "Sie war mir eine sehr große Hilfe. Ohne sie hätten wir es nicht geschafft. Und sie war eine Vertrauensperson", sagt Astrid Gödderz.

Andrea Bierewirtz schmiss den kompletten Haushalt. Das ist das Hauptziel der Familienpflege, erklärt Monika Steffen: alltagspraktische, unkomplizierte Hilfe, da wo der Schuh drückt. Und so kochte, wusch, putzte, bügelte Bierewirtz, spielte mit den Kindern, sang Schlaflieder, ging mit ihnen spazieren. "Schade, dass ich keinen Kilometerzähler am Kinderwagen hatte", sagt sie und lacht. Acht Stunden war sie jeden Werktag für Familie Gödderz da. Nach acht Monaten wurde die Stundenzahl schrittweise reduziert, bis die Betreuung nach gut einem Jahr auslief.

Die Drillinge haben sich prächtig entwickelt: Thomas macht eine Ausbildung zum Mechatroniker, der frischgebackene Abiturient Andreas träumt von einem Medizinstudium, und Rebecca ist gerade von der Realschule aufs Gymnasium gewechselt, sie will ebenfalls Abitur machen. Im Frühjahr haben die drei mit 150 Gästen ihren Achtzehnten gefeiert. Natürlich gemeinsam. Wie (fast) immer. "Wir haben ein einziges Mal getrennt gefeiert", erinnert sich Thomas. "War total doof."

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE