Dormagen: Erdbeeren erst bei Wärme preiswerter

Dormagen : Erdbeeren erst bei Wärme preiswerter

Während die Erdbeersaison auf dem Bauernhof Feiser bereits vor drei Wochen begonnen hat, stehen die Freilanderdbeeren auf dem Grenzhof noch in der Blüte. Preise und Süße sind abhängig von der Sonne.

Landwirt Willi Feiser zieht den Reißverschluss seines Arbeitsanzuges bis oben hin zu. Bei weniger als zehn Grad ist es für Ende Mai relativ kühl. Darunter leiden vor allem die Erdbeeren, die er auf seinem Gohrer Spargelhof anbaut. Die bekommen jetzt auch ein "warmes Mäntelchen". Wenn die Erdbeeranbauer in diesen Tagen auf die Felder fahren, decken sie ihre Pflanzen mit einem Vlies oder Stroh ab, denn die Blütenknospen, die bereits im Herbst angelegt werden, sind sehr empfindlich. Das Vlies übernimmt da eine schützende Funktion.

Während es auf dem Grenzhof noch keine Freiland-Erdbeeren gibt, kann Willi Feiser bereits seit drei Wochen auf seinem Spargelhof in Gohr pflücken lassen. "Dennoch sind wir gegenüber den Vorjahren etwa zehn Tage später. Und auch die Menge an Erdbeeren ist deutlich geringer als gewohnt", sagt der Landwirt.

Auf insgesamt vier Hektar baut Feiser Erdbeeren an, derzeit gebe es aber nicht so viel zu pflücken. Rund 70 Mitarbeiter stechen Spargel, ernten Himbeeren und Erdbeeren. "Normalerweise sollten sie etwa acht Stunden beschäftigt sein. Bei der momentanen Lage ist nach vier bis fünf Stunden alles abgeerntet", bedauert Feiser. Dabei seien der Wonnemonat Mai und der Juni doch die idealen Erdbeer-Monate, in denen die Kunden auch nach den roten Früchten verlangen. "Uns fehlt vor allem die Sonne. Der Pfingstsonntag hat den Früchten gut getan, aber dann ist es gleich wieder kälter und — was noch schlimmer ist — weniger sonnig geworden."

Noch pendeln die Preise um drei Euro pro Schale, wenn die Temperaturen steigen, wird's billiger. Aber: "Wenn die Temperaturen steigen, wird auch die Süße noch besser." Der Gohrer Landwirt baut auf seinen Feldern die Sorten Eliany und Clery an, "zwei junge, aromatische Sorten, das ist meine Philosophie". 70 Prozent der Erdbeeren gehen in die Direktvermarktung und werden an Ständen oder direkt auf dem Hof verkauft. Die Saison dauert bei den Feisers bis zum September, abhängig vom Wetter allerdings. Beim Stürzelberger Landwirt Max Kallen beginnt derzeit erst die Ernte. "Wir sind in diesem Jahr etwa zwei bis drei Wochen später dran", so Kallen. Üblicherweise beginnt die Saison zwischen dem 10. und 15. Mai. Den Ernte-Schwerpunkt schätzt er auf Mitte Juni. "Wer Marmelade kochen möchte, sollte bis dahin warten", meint der Stürzelberger Bauer, der seine Früchte auf 13 Hektar Fläche anbaut.

Auf den Erntestart warten derzeit auch Hans-Josef Berchem und seine Frau Petra, die den Grenzhof in Dormagen betreiben. "Mit den ersten Freiland-Erdbeeren rechnen wir Ende Mai, die meisten Pflanzen stehen noch in der Blüte", sagt Petra Berchem. Dass sie noch keine Früchte tragen, sei auch, wie sie betont, den wenigen Sonnenstunden geschuldet. "Sobald die Pflanzen Sonnenstrahlen abbekommen, werden sie groß, rot und sehr süß. Das Warten auf die geschmacklich hervorragenden Beeren lohnt sich also auf jeden Fall."

(NGZ/ac/top)