1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Elternbesuche sind ein Erfolg

Dormagen : Elternbesuche sind ein Erfolg

Als erste Stadt in NRW hat Dormagen vor fünf Jahren das Babybegrüßungspaket eingeführt. Das Modell gilt bundesweit als beispielhaft für erfolgreiche Präventionsarbeit. Das Jugendamt zieht ein sehr positive Bilanz.

Für gewöhnlich hält sich die Freude bei Eltern in Grenzen, wenn es heißt: "Du, kommst Du mal, das Jugendamt steht vor der Tür." Das Jugendamt — diese gesichtslose Behörde. Ihre Mitarbeiter — humorlose, kalte Beamte, gekommen, um die Kinder in Obhut zu nehmen. Dieses Bild ist in Familien weit verbreitet. Aber es gibt auch erfreuliche Anlässe, zu denen das Jugendamt zu Besuch kommt: Ein Neugeborenes. Fünf Jahre ist es her, da startete Dormagen ein neues Kinderschutz-Modell: Mit einem Babybegrüßungspaket besuchen Mitarbeiter des Jugendamtes Dormagen seither frischgebackene Mütter und Väter. Die positive Resonanz sei überwältigend, sagt Jugenddezernent Gerd Trzeszkowski.

Als das Modell entwickelt wurde, damals war noch Heinz Hilgers Bürgermeister, war die deutsche Öffentlichkeit durch Fälle von Kindesmisshandlung wie "Kevin" oder "Jessica" aufgeschreckt worden. Da trat Dormagen mit seinen Elternbesuchen als Teil eines vorbeugenden Netzwerks auf den Plan und fand bald viele Nachahmer. Die Kernidee: Alle Eltern — ob mit oder ohne Vorgeschichte — von Neugeborenen bekommen in einem Gratulationsschreiben des Bürgermeisters das Angebot, einen Mitarbeiter des Jugendamtes bei sich zu empfangen. "Da wir allen Eltern dieses Angebot machen, muss keiner das Gefühl haben, sich schämen zu müssen, Hilfe anzunehmen", erläutert Jugendamtsleitern Martina Hermann-Biert. Das Angebot werde in 99 Prozent der Fälle angenommen.

Seit dem Start des "Dormagener Modells", wie es bald genannt wurde, im Oktober 2006 haben Fachkräfte des Jugendamtes in der Kommune 2800 Neugeborene und ihre Eltern besucht. Im Gepäck das Babybegrüßungspaket mit dem Ratgeber "Willkommen im Leben" und von hiesigen Unternehmen gesponserte Geschenke. Wer möchte, kann sich bei den Elternbesuchen beraten lassen, beispielsweise, wenn es um Betreuungsplätze oder den Antrag auf Elterngeld geht. In 300 Fällen wurde das Angebot über den Hausbesuch hinaus genutzt. Die überwiegend positiven Reaktionen führt Dezernent Trzeszkowski darauf zurück, "dass den Eltern klar ist, dass wir als Helfer kommen". Das Jugendamt bekomme ein Gesicht. "Den Eltern fällt es dann, wenn es Probleme geben sollte, leichter, sich an uns zu wenden", so Hermann-Biert.

Während im Bundesvergleich die Zahl der In-Obhutnahmen steige, sei die Zahl in Dormagen gesunken, führt sie an. Durch die präventiven Elternbesuche lasse sich außerdem sparen. Vergleichbare Städte gäben in späteren "Hilfe-zur-Erziehung"-Maßnahmen das Doppelte aus, sagt die Jugendamtsleiterin.

(NGZ)