Dormagen: Eltern wehren sich gegen zu große Klasse

Dormagen : Eltern wehren sich gegen zu große Klasse

An der Tannenbuschschule sollen die künftigen Zweitklässler mit bis zu 35 Kindern in einer Klasse unterrichtet werden. Die Eltern wehren sich. Schulrätin Roth-Junkermann spricht von Solidarität, da sonst andere Schulen betroffen wären.

Dr. Dagmar Döring geht mit einem unguten Gefühl in die Ferien. Ebenso wie viele andere Eltern, die ihre Kinder auf der Tannenbuschschule in Delhoven haben. Der Grund dafür ist ein Thema, das nicht neu ist, gleichwohl für viele einfach ärgerlich — und unnötig, wie sie meinen: zu große Klassen. Maxine, die Tochter von Dagmar Döring, hat bislang mit 30 anderen Kindern die erste Klasse besucht. Nach den Sommerferien sollen noch drei Kindern hinzukommen, dann wäre die Klasse 34 Kinder stark. "Viel zu viel", befindet die engagierte Mutter und hat sich an das Schulverwaltungsamt der Stadt, an das Schulamt des Rhein-Kreises und an die Bezirksregierung gewandt. Bislang ohne Erfolg.

Die Lösung scheint auf den ersten Blick furchtbar einfach zu sein: Schulleiterin Annelie Witte-Schmale teilt die Klasse. Das fordern auch die Eltern. Sie argumentieren so: Nach den alten Regeln ist eine neue Klassenbildung erst mit 18 Kindern möglich. Nach den neuen Regeln schon ab 16 Kindern. "Da wir hier in Delhoven ein großes Neubaugebiet haben, wird es bei der derzeitigen Interessentenzahl von 34 Kindern sicher nicht bleiben", sagt Döring. Die Eltern bekamen die Auskunft, dass erstens die Schulleiterin entscheidet und zweitens eine Teilung der Klasse erst bei 36 Kindern stattfindet. "Dies ist völlig unangebracht", sagt Döring, "da nicht zu einem Stichtag die noch benötigten fünf Kinder hierherziehen. Es handelt sich hier um ein Dorf mit einem großen Neubaugebiet, ein Bau ist nicht immer planmäßig zu einem bestimmten Zeitpunkt fertigzustellen. Daher kommen Neuhinzuziehende auch während eines Schuljahres."

Gegenüber unserer Zeitung sagt die zuständige Schulrätin des Rhein-Kreises, Karin Roth-Junkermann, dass die Tannenbuschschule mit einem Überhang an Lehrerstunden versehen ist "wie keine andere". Konkret sind es 19 Stunden. Würde die Klasse geteilt, sagt sie, würden die anfallenden Mehr-Stunden zulasten der anderen Jahrgänge gehen. "Denn mehr Stunden gibt es nicht." Es gehe auch um Solidarität gegenüber den Jahrgängen der anderen Dormagener Grundschulen, sagt Roth-Junkermann. Die Zahl der gesamten Anmeldungen in der Stadt werde durch den Klassenrichtwert von 23 geteilt, das ergibt die Zahl der Klassen, die gebildet werden können.

"Ein neues Wohngebiet und großes Einzugsgebiet — eine schwierige Situation", so die Schulrätin. Sie verweist auf das benachbarte Straberg, wo an der dortigen Schule am Kronenpützchen nur 23 Kinder in einer Klasse sitzen. Sie empfiehlt der Tannenbuschschule, die Klasse in Kernfächern wie Sachunterricht, Deutsch und Mathe zu teilen und dort die überhängigen Lehrerstunden einzusetzen. Im Schuljahr 2014/15 würden laut Prognose zwei Eingangsklassen gebildet. Die Schulrätin spart aber auch nicht mit Kritik an der Stadt: "Dormagen hält zu viele Grundschulen", sagt sie. Täte sie das nicht, so könnten die Schüler gleichmäßiger in gleichgroße Klassen verteilt werden.

Das hilft Dagmar Döring und den Kindern der Tannenbuschschule nicht. Die Eltern glauben, dass die Schulleiterin keine weiteren Kinder aufnehmen darf. "Daraus würde resultieren, dass die Kinder bis ans Ende der 4. Klasse in dieser überfüllten Klasse mit 31 oder mehr Kindern lernen sollen. Wo bleibt da Raum für individuelle Förderung?"

(NGZ)
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