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Dormagen: Eltern sammeln Geld für Schultoiletten

Dormagen : Eltern sammeln Geld für Schultoiletten

Eltern der Grundschule Burg in Hackenbroich wollen nicht länger hinnehmen, dass die Schultoiletten oft dreckig sind und stinken. Sie sammeln Geld, um Mängel zu beseitigen. Die Stadt soll sich finanziell an dem Projekt beteiligen.

Es gibt frisch belegte Brötchen, jede Menge leckeren Kuchen, dazu Kaffee und Säfte — alles für maximal einen Euro pro Teil. Im "Café Sowieso" im Familienzentrum an der Hackhauser Straße sind die Tische zu überwiegendem Teil mit Frauen gut gefüllt, die Atmosphäre ist entspannt. Mit diesem Angebot verfolgt Regina Hampel, die die Idee für diesen Treff alle zwei Wochen hatte, ein Ziel: Geld sammeln, um die Toiletten-Situation an der Grundschule Burg Hackenbroich zu verbessern. "Gestank und Hygiene-Zustand sind kaum auszuhalten", sagt die Mutter von zwei Jungen, die die erste und dritte Klasse besuchen.

Es ist eine Initiative, mit der Hampel und andere Mütter zeigen wollen, dass sie bereit sind, einen eigenen Beitrag für eine Verbesserung zu leisten. "Damit die Stadt sieht, dass wir nicht nur kritisieren, sondern auch etwas tun." Die Vorstellungen der Eltern sind schon ganz konkret: "Wir sammeln Geld, mit dem die Fugenversiegelung in der Toilettenanlage auf dem Schulhof erneuert werden kann", sagt Hampel. Die Stadt soll im Gegenzug neue Waschebecken und Toiletten mit automatischer Wasserspülung liefern. "Die alten Anlagen würden wir auch selbst herausreißen."

Szenenwechsel. Hans-Joachim Reich und Franz Gemsa stehen in der Burg-Grundschule im Flur vor den beiden innen liegenden Toiletten. Rektor Reich öffnet die Tür zur Jungen-Toilette und ist zufrieden: "Alles sauber", sagt er. Mit ein Verdienst des engagierten Hausmeisters Gemsa, der sich darum gekümmert hat, dass zwei Kameras an der Flurdecke festhalten, wer die Toiletten benutzt. "Alles von der Schulkonferenz und der Bezirksregierung genehmigt", sagt Reich. "Seitdem haben wir hier keine Probleme mehr." Offenbar wirke, so glauben beide, dass Eltern zu Hause mit ihren Kindern über diese Kontrolle sprechen. Die Probleme liegen jetzt "nur" noch in den vom Schulhof zugängigen großräumigen Toilettenanlagen. Die Einheiten sind auf Bestreben der Schule hin von der Stadt bereits fast halbiert worden. "Völlig ausreichend", sagt Reich. Am Dauergestank hat sich jedoch nichts geändert. Vielleicht helfen Eltern, die als Aufpasser in den Pausen nach dem Rechten sehen — auch eine Idee, die diskutiert wird.

Im "Café Sowieso" packen Regina Hampel und andere Mütter die übrig gebliebenen Leckereien ein. Der Sparweg ist lang. "Etwa 5500 Euro benötigen wir wohl für die Fugenversiegelung." Weil bis dahin noch viele geschmierten Brötchen verkaufen muss, läuft parallel die Vorbereitung zur Teilnahme an einem speziellen Internet-Wettbewerb, wo man eine Toilettensanierung gewinnen kann. Als nächstes werden die Toilettenräume mit den Ergebnissen eines Eltern-Kinder-Basteln verschönert.

Ob die Stadt am Ende finanziell mitspielt, wissen die Eltern nicht. "Wir wollen erst sammeln und im Mai im Rathaus mit dem Geld und unserer Idee vorstellig werden", sagt Hampel. Vielleicht gehören dann Aussagen von Kindern wie Linus, Sohn der Fördervereins-Kassiererin Sabine Zimmer, bald der Vergangenheit an: "Ich habe damals die Toiletten nie benutzt und sogar extra weniger getrunken."

(NGZ/rl)