Einzelhandelskonzept in Dormagen wird überarbeitet

Dormagen : Einzelhandelskonzept wird überarbeitet

Wegen veränderter Rahmenbedingungen muss ein Gutachten erneut die Einzelhandelssituation überprüfen.

Vor fünf Jahren hat der Stadtrat nach langen Diskussionen ein so genanntes Zentren-Einzelhandelskonzept verabschiedet. Hinter dem sperrigen Titel steckt schlicht und einfach die Möglichkeit für Verwaltung und Politik, die Dormagener Innenstadt sowie die Nebenzentren in den Ortsteilen samt ihrer Einzelhändler vor Begehrlichkeiten von finanzkräftigen Filialisten und Großunternehmen zu schützen. Schon damals war klar: Dabei bleibt es nicht, denn die Welt verändert sich und ein solches Konzept muss auch neuen Rahmenbedingungen angepasst werden. Das ist jetzt der Fall. Die Stadt hat einen Gutachter beauftragt - offenbar mit dem Büro Dr. Jansen GmbH die gleichen Fachleute wie 2012/13 - um das Konzept fortzuschreiben.

In dem aktuellen Konzept ist die Einzelhandelsstadt Dormagen mit „zentralen Versorgungsstrukturen“ klar strukturiert worden: Der Handelsschwerpunkt liegt in Dormagen-Mitte, dem Hauptzentrum. Daneben gibt es vier Nahversorgungszentren (Hackenbroich, Horrem, Ückerath und Stürzelberg) sowie zwei Potenzial- bzw. Ergänzungsstandorte für überwiegend großflächigen Einzelhandel mit nicht nahversorgungs- und zentrenrelevanten Sortimenten in der Innenstadt (Zuckerfabrik-Gelände) und Horrem (Top West). Und die Nicht-Entwicklung des Areals der ehemaligen Zuckerfabrik an der Europastraße zeigt beispielhaft die Notwendigkeit der Überarbeitung des Einzelhandelskonzeptes: Denn dort sind 26.000 Quadratmeter als potenzielle Einzelhandelsfläche in das Konzept aufgenommen worden, auf denen bis heute nichts verkauft worden ist, weil das Areal nach wie vor Brachland ist und dort aufgrund der Beurteilung in dem Seveso II-Gutachten auch kein Einzelhandel entstehen kann. „Der Gutachter wird zu einer neuen Einschätzung der Kaufkraft kommen, die Entwicklung des Einzelhandels aufnehmen und anhand dessen zu neuen Einschätzungen kommen“, erklärt Stadtplaner Gregor Nachtwey. Kurz: Wo braucht Dormagen wie viel (neue) Einzelhandelsflächen? Vorsicht ist immer geboten, denn: Manch bekannter Filialist möchte zu gerne in eine attraktive Lage in einem der 16 Ortsteile investieren, unabhängig davon, was das für die vorhandene Infrastruktur bedeutet.

Wie weitreichend ein solches Konzept ist, betont Nachtwey: „Es ist Grundlage jeder Bauleitplanung.“ Zum Beispiel für die anstehenden Großvorhaben: Entwicklung des Beethoven-Quartiers und des Malerviertels III. Beim letzteren Vorhaben werden auf einem Areal von 150.000 Quadratmetern 600 bis 700 Wohneinheiten entstehen, rund 2000 Menschen könnten dort einmal leben. Da drängt sich die Frage auf, ob ein kleines Versorgungszentrum sinnvoll ist?

Der Stadtplaner beurteilt die Versorgungssituation unter dem Strich positiv. Natürlich gibt es Defizite, zum Beispiel in Gohr-Broich oder Straberg. „Das wird so bleiben, weil es sich für Händler nicht rechnet, dort zu investieren.“ Interessant werden die neuen Untersuchungen auch insofern sein, ob die Erkenntnisse von vor fünf, sechs Jahren noch Gültigkeit haben. Damals sahen die Gutachter den größten Bedarf im Bereich Elektrowaren, wo die Verkaufsfläche um fast die Hälfte steigen sollte. Seinerzeit ein guter Ansatz für das geplante Fachmarktzentrum, wo angeblich auch Media Markt einziehen sollte.

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