Analyse: "Eine Belustigung für alte Leute"

Analyse : "Eine Belustigung für alte Leute"

Viele der nominierten Sportler blieben der Sportlerehrung der Stadt am Mittwochabend fern. Eine Ursachenforschung.

Vorab zwei gute Nachrichten: Dormagen hat bei der Ehrung seiner Sportler im TSV-Sportcenter eindrucksvoll gezeigt, wie hoch Leistungs- und Medaillendichte sind. Andere Kommunen können da nur neidisch zuschauen. Und: Die Ehrung, die Bürgermeister Erik Lierenfeld richtigerweise als unverzichtbar bezeichnete, ist viel besser als noch vor vier, fünf Jahren.

Dem steht eine erschreckende Zahl gegenüber: 42. So viele (in Prozent) nominierte Topsportler blieben der Ehrung fern. Das kann gute Gründe haben: die Lehrgänge der beiden Ringerinnen und Rio-Starterinnen Nina Hemmer und Jessica Blaczka oder das Trainingslager in Arizona, wo Lauf-As Tanja Spill zurzeit mit dem B-Kader des DLV weilt. Dennoch fühlen sich (viel zu) viele Sportler nicht zu diesem jährlichen Termin hingezogen. Beim abschließenden "Get together" waren Sportler die große Ausnahme. Warum? Ein Sportler, der namentlich nicht genannt werden möchte, spricht Klartext: "Die Veranstaltung ist für Sportler völlig unattraktiv, eher eine Belustigung für alte Leute - wenn man auch das Publikum sieht. Der Sportler hat nichts davon." Ein vielleicht zu hartes Urteil, das gleichwohl nachdenklich stimmen sollte. Bei einer genaueren Betrachtung fällt auf: Erstens wirkt die Veranstaltung insgesamt holprig und unprofessionell. Es hat schon komödiantische Züge, wenn hinter dem moderierenden Marc Pesch Sportserviceleiter Bernd Lewerenz mit einem Besen auftaucht, um den Glitter der Show-Vorführung zu beseitigen. Oder wenn, ebenfalls während laufender Moderation, einer Trainerin noch schnell ein Blumenstrauß in die Hand gedrückt wird. Das sieht unorganisiert aus und fällt auf.

Zweitens kommt die Wertschätzung der Top-Sportler einfach zu kurz. Viel zu spät kommen die zu wenigen Interviews. Wie launig-unterhaltsam die sein können, bewies der Sportler des Jahres, Benedikt Wagner. Statt dessen werden die Zuschauer mit mittelmäßigen Turn-Vorführungen "unterhalten".

Drittens: Offenbar wissen die Verantwortlichen im Vorfeld gar nicht, welcher Sportler kommt und wer nicht. Das könnte man dem Publikum erläutern und nicht einfach nur die Namen nennen und es erscheint niemand. Ein weiterer Kritikpunkt von Aktiven: Die unscharfe Trennung zwischen Mannschafts- und Einzelsportlern. Viele, die Medaillen als Team holten, werden als Einzelsportler behandelt - ebenso wie die neue Sportlerin des Jahres, Mannschafts-Junioren-Weltmeisterin im Minigolf, Maike Haupt. Diese Jury-Entscheidung hinterließ bei einigen Top-Sportlern übrigens ratlose Gesichter angesichts von zwei Olympia-Starterinnen.

(schum)