Dormagen: Ein Taxi für die Rennstrecke

Dormagen : Ein Taxi für die Rennstrecke

Amateur-Rennfahrer Alexander Wolff aus Gohr ist heute mit seinem "Team Ring Action" auf dem Nürburgring unterwegs. Als Co-Piloten düsen in seinem giftgrünen Corsa GSI behinderte Kinder mit über die Strecke.

Die Zeichen sind klar verabredet. "Daumen hoch", erklärt Renn-Pilot Alexander Wolff, "heißt alles ok. Wenn der Daumen verschwindet, geh ich sofort vom Gas", sagt der 32-jährige Gohrer, der heute schon zum zweiten Mal mit behinderten Beifahrern über den Nürburgring rasen wird. "Der Veranstalter der Benefiz-Aktion, die Firma Rent4Ring, ist 2009 auf die Idee gekommen, Behinderten dieses außergewöhnliche Erlebnis zu ermöglichen. "Voriges Jahr habe ich etwa 40 Kinder über den Ring chauffiert", erzählt der Motorsport-Fan, der lange als Streckenposten und Fotograf am Ring im Einsatz war, ehe er sich 2007 selbst ans Steuer setzte. Heute will er möglichst viele der etwa 200 Besucher aus Behindertenwerkstätten drei spektakuläre Runden lang in seinem Renntaxi mitnehmen.

Das Auto, in das die Beifahrer einsteigen beziehungsweise reinklettern ist ein kostbares Unikat: ein kawasakigrüner Opel Corsa A GSI, den der Opel-Fan – "das liegt bei uns in der Familie" – seit dem Kauf vor vier Jahren zur hochqualifizierten Rennsemmel aufgerüstet hat. "Nur die Farbe hatte das Auto schon, außerdem war er tiefergelegt", erzählt Schwester Susanne (26), die dafür sorgt, dass bei Rennen in der Box alles glatt läuft.

Ansonsten haben die Wolffs vom Motor (neue Steuerung und Renneinspritzung) über die Karosserie (Seitenscheiben aus Kunststoff, weil Glas zu schwer ist) bis zum zentralen Steuergerät alles renntauglich gemacht. "Insgesamt haben wir in die Teile, darunter viele Einzelanfertigungen, rund 15 000 Euro investiert." In Schalensitzen mit Sechs-Punkt-Gurten düst Alexander Wolff bei seinen "Rundstrecken-Challenges" über den Ring – wohl wissend, dass die Konkurrenz mit moderneren, schon serienmäßig leistungsstärkeren Fahrzeugen die Nase vorn hat, wenn er nicht in Kurven und bei Nässe die Vorteile des nur 760 Kilogramm leichten Kleinwagens ausspielt. Nicht umsonst steht "Klein, aber gemein" auf dem Auto. Seine Eltern mögen sich die Rennen nicht mehr aus der Nähe anschauen, seitdem sie ihren Sohn einmal von der Piste rutschen sahen. Auch Schwester Susanne, deren Handy-Nummer für Notfälle innen auf der Beifahrertür notiert ist, macht sich Sorgen, wenn ihr Bruder nicht zur erwarteten Zeit an der Box auftaucht.

Heute freilich geht's nicht um Bestzeiten, sondern um die Beifahrer. "Anfangs sind viele eingeschüchtert, doch die meisten reagieren euphorisch", weiß er. Viele wollen Fotos machen. "Dabei bin ich doch nur ein Amateur-Rennfahrer", sagt Alexander Wolff und lächelt. Ein echter Liebhaber eben.

(NGZ)
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