Dormagen: Ein schwarzes Schaf auf der Kanzel

Dormagen: Ein schwarzes Schaf auf der Kanzel

Gertrud Brück-Gerken erinnerte beim Knechtstedener Bibliotheksabend an Hanns Dieter Hüsch.

Wie fast alle großen Kabarettisten der Bundesrepublik ist natürlich auch Hanns Dieter Hüsch in Knechtsteden aufgetreten. Pater Hermann-Josef Reetz ist jedoch nicht erst dadurch zu einem Fan des 2005 im Alter von 80 Jahren verstorbenen "Schwarzen Schafs vom Niederrhein" geworden: "Auf einem Uralt-Gerät" hatte Reetz schon in den frühen 1960-er JahrenProgramme des damals noch in Jugendheimen gastierenden "philosophischen Clowns" gesammelt.

Beim 131. Knechtstedener Bibliotheksabend widmete sich die Theologin Gertrud Brück-Gerken unter dem Motto "Ein schwarzes Schaf auf der Kanzel" der von Hanns Dieter Hüsch nie verhehlten Tatsache, ein gläubiger Christ zu sein. "Fromm, aber nicht frömmelnd" sei Hüsch gewesen, sagte die Referentin, die Hüschs Lebensweg nachzeichnete und die eine oder andere Kostprobe aus seinem umfangreichen Werk gab, wie etwa den für seinen Glauben aufschlussreichen Psalm, der mit den Versen beginnt: "Ich bin vergnügt / erlöst / befreit / Gott nahm in seine Hände / meine Zeit." Ein "schwarzes Schaf" war Hüsch in den 1960-er Jahren auch bei manchem "Kollegen". Beim legendären Liedermacherfestival auf der Burg Waldeck musste er 1968 seinen Auftritt abbrechen - ultralinke und eher talentfreie Kritiker konnten mit ihm auch später nichts anfangen. Gegen sie verteidigt haben Hüsch allerdings die linken Liedermacher und späteren Kommunisten Franz-Josef Degenhardt und Dieter Süverkrüp. Für ihn kam dieser Weg seiner Freunde nicht in Frage: Als Christ sei man ohnehin für die Armen, da brauche er nicht Kommunist zu werden, meinte Hüsch.

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Gertrud Brück-Gerken schloss mit einem skurrilen Stück Kirchenkritik aus Hüschs Feder, nämlich der Geschichte vom in einer (evangelischen) Kirche eingeschlossenen Gott. Wobei - nur am Rande - der Protestant Hüsch sein Unverständnis darüber zeigte, dass evangelische Kirchen verschlossen seien, da dort doch ohnehin nichts an materiellen Schätzen zu holen sei.

Hüschs Ausstrahlung illustrierte auch seine Beisetzung: Im von einem evangelischen Pfarrer und einem Franziskanerpater zelebrierten Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche von Moers las sich die Liste der Trauergäste wie ein "Who is who" des Kabaretts.

(NGZ)
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