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Dormagen: "Ein moderner Konservativer"

Dormagen : "Ein moderner Konservativer"

Der Jurist und ehemalige Bürgermeister Reinhard Hauschild rückt als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU wieder stärker in den kommunalpolitischen Fokus. Der 61-Jährige will keine Beliebtheitspreise gewinnen, sondern unbequeme Fragen stellen. Und auf die Bürger hören.

"Der Mann sprüht vor Ideen", lobte ein Parteifreund, als die NGZ nach den Stärken Reinhard Hauschilds fragte. Der hatte gerade Norbert Dahmen im Amt des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU beerbt – und ist kein unbeschriebenes Blatt. Hauschild, seit Mitte der 1990er Jahre parteipolitisch in Dormagen engagiert und von 1999 bis 2004 Dormagener Bürgermeister, war gut vorbereitet auf die exponierte Rolle in der ersten Reihe – neben Fraktionschef Wiljo Wimmer, als dessen "loyale rechte Hand" er sich bezeichnet.

"Ich habe meinen Hut bewusst in den Ring geworfen", erklärt Hauschild, und das zu einem späten Zeitpunkt, als er sicher war, "dass die Wahl klappt." Er hat geprüft, ob "seine Sichtweise mit der anderer übereinstimmt", womit er meint: Die Fraktion traute ihm die Rolle zu. Jetzt ist er wieder ein Aushängeschild der Dormagener CDU, und das nicht nur im programmatischen Sinne. Der erfahrene Wahlkämpfer weiß, wie wichtig die "organisatorische Arbeit" ist, "bis hin zum Kleistern von Plakaten". Er will auch die Fraktion zusammenhalten, denn es gelte, eine Linie zu finden und zu vertreten, obschon Politik vom Diskurs lebe. Der "Moderator mit Lenkungsaufgaben" ist häufig Wortführer in Ausschüssen, in denen er gerne unbequem auftritt, aber immer gut informiert – ein Erbe aus vielen Jahren juristischer Sach- und Detailarbeit im Städte- und Gemeindebund und im Arbeitsministerium, wo er an der Einführung der Pflegeversicherung konzeptionell mitwirkte.

Sachkenntnis sei die Basis dafür, auch Unpopuläres zu vertreten, etwa Kürzungen im Kulturbereich: "Es ist meine Aufgabe als Kulturpolitiker, zu fragen: Wie verwalte ich knappstes öffentliches Geld?"

Er weiß, dass aus ihm kein leutseliger Volkstribun mehr wird, "zum beliebtesten Politiker wollte ich nie gewählt werden". Er zitiert Kurt Biedenkopf: "Zur Quelle kommt man nur gegen den Strom." Scheu vor Volkes Stimme kann man ihm nicht nachsagen. Die CDU-Foren für die Bürger vor Ort und ihre Beteiligung an der Ideenfindung zum Zukunftsthema Demografie hält er für wichtig. Schließlich sei die CDU, in die er 1983 eintrat, eine "Volkspartei", als konservative, christliche Kraft, die gleichwohl nicht im Gestern verharren dürfe. Pragmatisch, aber wertorientiert – diesen Spagat will Hauschild schaffen. Sieht er sich als modernen Konservativen? "Gegen diese Bezeichnung würde ich mich nicht wehren."

(NGZ)