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Dormagen: Ein Leben in Büchern verarbeitet

Dormagen : Ein Leben in Büchern verarbeitet

Lehrerin Gisela Schäfer aus Nievenheim schreibt, seit sie im Ruhestand ist, Bücher mit autobiografischen Geschichten, aber auch Gedichte, humorvolle Kinderbücher und Empfindungen auf der Intensivstation.

Ein kleiner grüner Frosch aus gefaltetem Papier erlebt in einem Buch ein Abenteuer mit anderen, ebenfalls liebevoll geknickten Papiertieren. Gisela Schäfer stellt die Beigaben für ihre Kinderbücher wie "Die verwandlung des hässlichen Fischleins" selbst her. "Eine Stunde falte ich für ein Buch, was bei einer Mindestabnahme von 200 Büchern schon einige Arbeit bedeutet", erläutert die Autorin, die sich ihre Geschichte selbst ausdenkt – passend zu den Tieren und Gegenständen, die sie in Origami-Technik herstellen kann.

Doch Gisela Schäfer schreibt nicht nur humorvolle Kinderbücher wie "Erzähl mal, Oma" und Gedichte oder Schmunzelverse. Die Autorin, die 35 Jahre Lehrerin in Delrath war, hat nach ihrem Ruhestand begonnen, ihre Erlebnisse in autobiografischen Geschichten zu verarbeiten. "Das sind oft Empfindungen und Ereignisse, aus denen ich dann ein Buch schreibe", erklärt die gebürtige Hagenerin, die das Gymnasium Marienberg in Neuss besucht hat, bevor sie Pädagogik studiert hat.

Ihr Beruf und ihre drei Kinder hatten Gisela Schäfer keine Zeit gelassen, ihrem Hobby, dem Schreiben, nachzugehen. Ihr erstes Buch "Am Ende wird alles gut" war dann eine Sammlung von Kurzgeschichten, die sich um den Tod ranken, wie sie es erlebt und empfunden hatte. Jetzt hat sie ihre Erfahrungen als Angehörige eines Herzkranken, der ein halbes Jahr auf der Intensivstation lag, im Buch "Horror Segen Intensivstation" verarbeitet – beide Beschreibungen treffen zu. "Es geht mir nicht vorrangig um die Geschichte meines Mannes, sondern darum, zu zeigen, wie es einem Angehörigen eines Schwerkranken geht", erläutert Gisela Schäfer. Für sie war es die Hölle, dass sie oft nicht wusste, was mit ihrem Mann los war und sie sich allein gelassen fühlte, dazu traten immer weitere Katastrophen und Komplikationen auf, ihr Mann musste mehrfach operiert werden und fiel ins Koma. "Diese Angst war kaum auszuhalten", sagt die Autorin. Allerdings sei sie den Ärzten sehr dankbar, dass sie ihren Mann, der sich an nichts von seiner Zeit auf der Intensivstation erinnern kann, gerettet haben. Als eine Art Therapie schrieb sie sich alles von der Seele – es erscheint bald ein weiteres Buch, in dem Gisela Schäfer Gedichte, die sie am Bett ihres Mannes geschrieben hat, veröffentlicht: "Hilfeschrei Und Du, Gott?"

Inzwischen geht es ihrem Mann wieder besser, er hat das Krankenhaus längst verlassen. "Trotzdem wirkt die Zeit noch nach", erklärt Gisela Schäfer, die einmal im Monat das Erzählcafé in der Stadtbibliothek leitet, bei dem es um Erzählen, Lesen und Austausch von Erfahrungen geht.

(NGZ)