1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Umwandlung in Gemeinschaftsgrundschule: „Ein künstlich erzeugter Krisenherd“

Umwandlung in Gemeinschaftsgrundschule : „Ein künstlich erzeugter Krisenherd“

Von Petra Schiffer Schulleiterin Ruth Steffens spricht von einem "Konflikt, der von außen in die Schule hineingetragen worden ist", Gemeindereferent Martin Brendler von einem "künstlich erzeugten Krisenherd": Zum Stichtag 11. Januar haben die Eltern an der Burgschule in Hackenbroich mit einem deutlichen Votum den Antrag gestellt, dass ein Verfahren zur Umwandlung der Einrichtung von einer katholischen in eine Gemeinschaftsgrundschule eingeleitet wird.

Von Petra Schiffer Schulleiterin Ruth Steffens spricht von einem "Konflikt, der von außen in die Schule hineingetragen worden ist", Gemeindereferent Martin Brendler von einem "künstlich erzeugten Krisenherd": Zum Stichtag 11. Januar haben die Eltern an der Burgschule in Hackenbroich mit einem deutlichen Votum den Antrag gestellt, dass ein Verfahren zur Umwandlung der Einrichtung von einer katholischen in eine Gemeinschaftsgrundschule eingeleitet wird.

In der Woche nach Karneval werden die geheimen Abstimmungen laufen. "Wir stehen ziemlich unter Druck, denn wenn diese Umwandlung scheitert, bekommen wir hier in Hackenbroich ein echtes Problem", sagt Brendler. Seit 30 Jahren ist die einzige Grundschule in Ort eine katholische Einrichtung - und seit 30 Jahren läuft das Schulleben problemlos. "Wir leisten hier einen riesigen Beitrag zur Integration", betont Ruth Steffens. "Es gibt keine zwei Lager von Katholiken und Andersgläubigen, Christen und Muslime haben immer gemeinsam Schulfeste gestaltet oder andere Aktionen organisiert." Faktisch habe die Schule in den vergangenen Jahrzehnten gearbeitet wie eine Gemeinschaftsgrundschule. Das sei auch nicht anders möglich gewesen - bei 60 Prozent Muslimen.

Doch jetzt sei die Vorgabe von der Schulaufsicht gekommen, nur noch Schüler aufzunehmen, deren Eltern unterschreiben, dass ihr Kind am katholischen Religionsunterricht teilnimmt und in diesem Glauben erzogen wird. Der evangelische Religionsunterricht wird eingestellt. Sollte die Schule katholisch bleiben, bedeutet das für nicht-katholische Kinder, deren Eltern diese Vorgaben nicht erfüllen wollen, dass sie eine andere Schule im Stadtgebiet besuchen müssen. "Sie müssten dann mit dem Bus zur nächsten Gemeinschaftsgrundschule gebracht werden, das kostet Zeit und Geld", sagt Steffens. Sie hoffe daher, dass sich die erforderliche 60-prozentige Mehrheit für die Umwandlung der Schule finde. "Am liebsten hätte ich einfach so weitergemacht wie bisher, aber wenn das nicht möglich ist, wäre eine Gemeinschaftsgrundschule die beste Lösung", sagt sie.

Die Grundschule spiele eine wichtige Rolle bei der Integration in Hackenbroich, diese Chance dürfe ihr nicht genommen werden. Gemeindereferent Brendler sieht das ähnlich. "Natürlich hätten wir uns gefreut, wenn die Schule eine katholische Einrichtung geblieben wäre, aber unter diesen Voraussetzungen plädieren auch wir für eine Umwandlung", sagt er. Er könne nicht verstehen, warum dieses Thema von der Schulaufsicht so "forciert" worden sei. "Man hätte hier vor Ort erst einmal mit allen Beteiligten reden müssen", betont Brendler. "Jetzt haben wir Probleme, die wir vorher nicht hatten." Wenn die Umwandlung misslinge, bestehe die Gefahr, dass die Muslime in Hackenbroich den Katholiken die Schuld dafür gäben, dass ihre Kinder die Schule nicht mehr besuchen dürften - obwohl die Vorgabe aus einer ganz anderen Richtung gekommen sei.

"Das wird zu enormen Spannungen im Ort führen", so Brendler. Der Gemeindereferent und Ruth Steffens arbeiten übrigens schon jetzt gemeinsam an einem neuen Programm für die Gemeinschaftsgrundschule. "Wir werden christliche Grundsätze in unserem Konzept festschreiben", sagt Steffens. Es werde weiterhin wie bisher Schulgottesdienste geben, der Nikolaustag werde in den Klassen genauso gefeiert wie das St. Martinsfest mit einem Fackelumzug. "Ich hoffe sehr, dass möglichst wenige katholische Eltern ihre Kinder abmelden, wenn die Umwandlung funktioniert", erklärt die Schulleiterin. "Denn faktisch wird sich gegenüber den vergangenen Jahren im Schulalltag gar nichts ändern."

(NGZ)