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Dormagen: Ein ganz schwerer Tag

Dormagen : Ein ganz schwerer Tag

Horrem Fast vier Jahre lang konnten sich die Horremer an den Gedanken gewöhnen, dass sie sich von ihrer Markuskirche trennen müssen.

Als der Moment des Abschieds Sonntagmittag gekommen ist, trifft es viele der evangelischen Christen trotzdem unvorbereitet.

"Wir konnten und wollten uns damit nicht auseinander setzen", sagt eine Besucherin des letzten Gottesdienstes vor dem Abriss der Kirche. Sie steht anschließend noch lange am NGZ-Mobil und erzählt.

Von Gebeten in der Kirche, die ihr nach Schicksalsschlägen in der Familie Kraft gegeben haben. Und von der Taufe ihres Enkelkindes. "Die Erinnerungen nehme ich mit", sagt sie - und greift zum Taschentuch.

Auch Edeltraud Volkerts Stimme ist belegt. "Wir konnten im Kirchenchor gar nicht richtig singen, der Kloß im Hals war zu groß", sagt sie.

"Es war eine sehr bedrückende Stimmung", bestätigt auch Johanna Lotz. "Ich bin hier getauft worden, zur Konfirmation gegangen, das ist schon ein sehr merkwürdiges Gefühl, diese Kirche jetzt zu verlieren", berichtet Manfred Weyh.

Mareike Cremer, Miriam Cremer und Jürgen Kleine sind im Jugendhelferkreis der Markuskirche aktiv. "Wir haben hier in den Räumen so viele Abende zusammen gesessen", erzählt Mareike Cremer.

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Sie und ihre Schwester sind jedoch sicher, dass die Jugendarbeit der Gemeinde aufrecht erhalten wird.

"Die ist stabil, das bricht nicht auseinander", meint auch Jürgen Kleine. "Für die jüngeren Gemeindemitglieder ist es allerdings bei weitem nicht so schwer wie für die älteren."

Eine Seniorin, die sich auf ihren Stock stützt, nickt heftig. "Ich weiß nicht, ob ich mich noch mal an etwas Neues gewöhne", sagt sie. "Meine Nachbarin wollte heute erst gar nicht mitkommen, sie hat gesagt, das tut sie sich nicht an."

Optimistischer blickt Rainer Luft-Rieger in die Zukunft. Er ist seit fast 14 Jahren Presbyter in der Gemeinde, war bereits als Teenager Stammgast im Jugendheim.

"Natürlich ist der letzte Gottesdienst für die meisten von uns ein ganz schwerer Tag", sagt er.

"Aber aus der Predigt von Pfarrer Christoph Pfeiffer habe ich auch das Signal des Aufbruchs mitgenommen. Unsere Gemeinde wird diese Situation meistern."

Die Kirche müsse abgerissen werden, damit Neues wachsen könne, hatte Pfeiffer gesagt, der ebenfalls sichtlich bewegt nach dem Gottesdienst eine Prozession zur katholischen Kirche Heilige Familie anführte.

Dort werden die evangelischen Gemeindemitglieder in den nächsten Monaten Asyl finden.

Das Seniorenheim "Markuszentrum", das nach dem Abriss auf dem Gelände entstehen soll, werde eine neue Heimat für alte Menschen im Ort werden, aber mit neuen Gemeinderäumen und einer Kapelle auch ein neuer Mittelpunkt der gesamten Gemeinde, so Pfeiffer.

Diese Worte können Lorett Schallnas nur wenig trösten, die sich immer wieder Tränen aus den Augen wischt.

Gemeinsam mit Ingo Koppatz hat sie jahrelang das Jugendcafé Flair in der Markuskirche geleitet. "Das Seniorenheim hätte neben der Kirche Platz gehabt, das hätte hier nicht weg gemusst", meint Koppatz.

Dieser Ansicht ist auch Lothar Schallnas. "Das Jugendheim war meine Anlaufstelle, als ich ein kleiner Junge war, und hier in der Markuskirche habe ich kirchlich geheiratet", sagt er. "Ich habe hier die wichtigsten Stunden meines Lebens verbracht."

(NGZ)