Ehrenfriedhof Dormagen: Kranzniederlegung für Opfer aus Polen

Ehrenfriedhof Dormagen: Stadt gedenkt der Zwangsarbeiter

Auf dem Ehrenfriedhof wurde der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht.

An Allerseelen gedachte die Stadt Dormagen der polnischen Weltkriegsopfer, die auf dem Ehrenfriedhof an der Nettergasse beigesetzt sind. Mit dem polnischen Konsul Andrzej Dudzinski hat Bürgermeister Erik Lierenfeld zwei Kränze niedergelegt. Dabei betonte Lierenfeld, dass nahe verstorbene Menschen auch nach dem Tod nah bleiben: „Angehörige, Freunde, Mitmenschen.“ Mitmenschen seien auch jene rund 6000 Zwangsarbeiter, die im Gebiet des früheren Amtes Dormagen „unter menschenunwürdigen Bedingungen versklavt und ausgebeutet wurden. Viele davon im großen Lager auf dem I.G. Farben-Gelände – dem heutigen Chempark“. Unter ihnen waren Polen, Russen, Holländer, Franzosen und Menschen aus dem Balkan.

Lierenfeld erinnerte daran, dass die „verquere Ideologie der Nationalsozialisten diesen Mitmenschen jeden Wert absprach: Sie wurden entmenschlicht, eingepfercht in verseuchte Lager, hergeschafft wie Vieh und bis zur Erschöpfung ausgequetscht. Das Leid dieser Menschen war unermesslich, eigentlich nicht zu übersehen. Und doch will es niemand gesehen haben.“ Auch heute würden – nicht nur in den USA – wieder Grenzen und Mauern gezogen: „sprachlich, gesellschaftlich, tatsächlich. Und wir müssen sehr gut aufpassen, dass wir am Ende nicht wieder Mitmenschen ausgrenzen“, forderte Lierenfeld. Im vereinigten Europa gehe es um Respekt und Mitmenschlichkeit, für die „gerade wir als Deutsche und Polen einen gemeinsamen Beitrag leisten können. Indem wir uns die Hände reichen, zeigen wir, wie wichtig Versöhnung ist.“ Aber auch, dass so etwas nie wieder geschehen dürfe, so Lierenfeld: „Nie wieder werden wir hinnehmen, dass Mitmenschen in unserer Mitte ihrer Würde beraubt werden. Nie wieder werden wir wegsehen.“ Es gelte, Lösungen für Probleme zu finden, ohne Ausgrenzung: „Wir müssen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit eintreten.“ Konsul Andrzej Dudzinski sagte zu deutsch-polnischen Beziehungen: „Wir sind in den letzten Jahren gemeinsam einen sehr guten Weg gegangen.“ Dies habe 1965 mit dem Brief der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe begonnen, der den Satz enthielt: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“

Wie viele Zwangsarbeiter in Dormagen starben, ist nicht geklärt. Es gibt eine Liste der Nichtdeutschen, die von 1939 bis 1945 auf dem Friedhof an der Nettergasse bestattetet wurden: 21 Russen, 37 Polen, sieben Belgier, vier Italiener, zwei Holländer und 16 Verstorbene, deren Namen auf eine östliche Herkunft hindeuten. In den Kriegsjahren wurden 26 ausländische Kinder beigesetzt.

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