Dormagen: "Effzeh"-Fans fiebern Derby entgegen

Dormagen : "Effzeh"-Fans fiebern Derby entgegen

Kölsch gegen Alt, Million- gegen Landeshauptstadt: Am Sonntag treffen der 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf aufeinander. Für den Präsidenten des Köln-Fanclubs Red Foxes ist klar: Sein FC darf nicht verlieren.

14 Jahre lang hat Klaus-Dieter Häussler auf dieses Spiel gewartet — nun muss er genau an diesem Sonntag arbeiten. Obwohl der Dauerkartenbesitzer das Spiel nur nebenbei am Radio verfolgen kann, trübt das seine Vorfreude nicht im Geringsten. "Das Spiel gegen Düsseldorf ist das Derby schlechthin", sagt Häussler. Schließlich hänge an der Partie noch mehr als an dem Spiel gegen Gladbach. Ohne Widerspruch erwarten zu müssen, kann der Sieger mehrere Monate behaupten, auf der "richtigen" Rheinseite zu wohnen und genau zu wissen, welches Bier das beste ist. Eine Prognose für Sonntag wagt Häussler nicht. Nur so viel: "Wir dürfen auf keinen Fall verlieren."

Klaus-Dieter Häussler ist Präsident des 1. FC Köln-Fanclubs Red Foxes Dormagen. Seit den 1970er Jahren hat der 53-Jährige fast alle Höhen und Tiefen durchlaufen, die das Fan-Sein hergeben: Als der FC am letzten Spieltag der Saison 1977/78 in Hamburg spielte, war er im Stadion und hörte im Radio, wie Borussia Mönchengladbach mit dem 12:0 gegen Borussia Dortmund ihnen beinahe noch den Meistertitel weggeschnappt hätte. Zum Uefa-Cup-Finale 1986 flog Häussler im Flieger mit den FC-Spielerfrauen nach Madrid. Dort konnte er zunächst das 1:0 der Kölner bejubeln — ehe die Madrilenen fünf Tore schossen und somit schon vor dem Rückspiel den Pokal so gut wie sicher hatten. Den großen Momenten gegenüber stehen fünf Abstiege, zig Trainerwechsel und bittere Niederlagen. "Ein FC-Fan ist leidensfähig", sagt Häussler. Über den ersten Abstieg 1998 habe er sich noch sehr geärgert, alle späteren habe er mit Fassung aufgenommen.

Die wechselhafte Historie des FC lässt sich auch an der Entwicklung des Fanclubs Red Foxes ablesen. Zur Hochzeit drückten 30 Mitglieder ihrem Verein die Daumen, mit den Abstiegen und den ungünstigen Anstoßzeiten der zweiten Liga sank die Mitgliederzahl auf 13. Dennoch hat in Dormagen wohl kein anderer Fußballverein mehr Fanclubs: 14 gibt der 1. FC Köln auf seiner Internetseite für Dormagen an. "Aufgrund der Nähe zu Köln sind viele Dormagener Köln-Fans. Durch den Zuzug aus dem Ruhrgebiet kamen auch einige Schalker und Dortmunder hinzu. Und Gladbach und Fortuna-Fans gibt es natürlich auch einige", sagt Häussler.

Wenn er mit seinen Fanclub-Kollegen zum Heimspiel fährt, geht alles seinen gewohnten Gang. Drei Stunden vor dem Anpfiff besuchen sie meist in ein Kölner Brauhaus, um sich auf die Partie einzustimmen. Danach nimmt er mit seinen Mitstreitern die Plätze im Block N12 in der Nordkurve ein. "Die Zeit, als wir auf den Stehplätzen waren, ist vorbei", sagt Häussler. Bei den Auswärtsfahrten gibt es einen festen Termin: Immer zum letzten Auswärtsspiel der Saison fährt der Club dem FC hinterher. Diese Saison geht es zum FSV Frankfurt. Sonst seien Auswärtsfahrten schwer zu planen, da die Terminierung relativ kurzfristig bekanntgegeben wird.

Für den 53-Jährigen ist das Rheinderby gegen Fortuna Düsseldorf auch ein Stück Familiengeschichte. Sein Vater ist Fortuna-Fan und hat ihn in seiner Jugend häufiger mit ins Rheinstadion genommen. Später sah er dann den FC im Müngersdorfer Stadion spielen und entschloss sich, fortan lieber zum Rivalen zu halten. Wie sich dass für seinen Vater angefühlt haben mag, konnte er Jahre später selbst nachvollziehen. Die zwei Söhne Häusslers wurden Gladbach- und Bayern-Fan.

(NGZ)
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