Dormagens Kümmerer um Natur und Umweltschutz

Umweltschutz : Sie kümmern sich um die Natur in Dormagen

Vielen Menschen liegt die Umwelt am Herzen – so sehr, dass sie dafür arbeiten oder einen Großteil ihrer Freizeit investieren.

Umweltschutz und Naturerlebnisse hängen zusammen. So sind in Dormagen zahlreiche Akteure daran beteiligt, dass der Spagat zwischen Wirtschaft und Natur gelingt. So kümmert sich auch die „Biologische Station“ im Rhein-Kreis Neuss, die in Knechtsteden im „Haus der Natur“ ihren Sitz hat, um die kontinuierliche Betreuung und Entwicklung naturschutzwürdiger Gebiete. Zudem werden kreisweit Artenschutzprojekte, die Obstwiesen-Initiative oder Projekte zur Natur- und Umweltbildung.umgesetzt – vom Feldhamster über die Ringelnatter bis zum Hirschkäfer.

Doch nicht alle schätzen die schöne Umgebung, sondern fahren mit ihren Autos tief in den Wald, um Schrott abzuladen. „Ich habe schon etliche Kühlschränke zwischen den Bäumen gefunden“, sagt Revierförster Theo Peters. Seit 1990 ist er im Knechtstedener Wald aktiv. „Der Naturschutz ist unser oberstes Gebot, schließlich sichert der Wald die Lebensgrundlage zahlreicher Tiere und Pflanzen – ein wichtiger Faktor ist auch die Erholung der Waldbesucher“, sagt er. Ob Jogger, Reiter, Pilzsammler, Spaziergänger – der schönste Freiraum ist der Wald. „Wir kümmern uns um die Wanderwege, informieren mit Tafeln und Flyern, sammeln Müll und säubern die Parkplätze“, zählt er auf. Außerdem spielt Holz eine große Rolle. „Wir verarbeiten viel liegendes Holz, tote Bäume bleiben oft stehen, denn sie sind ein wichtiger Lebensraum für Insekten und Vögel.“ So folgt seine Tätigkeit dem Dreiklang „Nutz, Schutz und Erholungsfunktion“.

Die Biologische Station mit Sitz in Knechtsteden setzt sich vielfältig für die Natur ein. Hier kontrolliert Thomas Braun ein Schlangenbrett. Foto: Jazyk, Hans (jaz)

Übrigens liegt ein Viertel der gesamten Waldfläche des Rhein-Kreises auf Dormagener Gebiet. Ein Vergleich: Der Rhein-Kreis Neuss weist 42,4 Quadratkilometer Waldfläche auf, der in etwa gleich große Kreis Viersen 108. Die momentane Steigerung in Dormagen um 2,8 Prozent ist diversen Aufforstungen zu verdanken.

Beim Ringelnatter-Projekt verlieren die Kinder schnell die Scheu vor den Schlangen. Foto: Biologische Station

Ebenso liegt der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) das Areal am Herzen. Der Verein um den Vorsitzenden Marc Pellekoorne verfolgt den Schutz und die Verbesserung der Umwelt. „Deshalb entwickeln wir den Tannenbusch mit“, so Pellekoorne. Es gebe viele Komponenten, darunter auch ein pädagogisches Konzept wie etwa das Grüne Klassenzimmer im Tannenbusch, damit schon die Jüngsten den Wald schätzen lernen. Die SDW ist zudem Besitzer der Tiere im Tierpark, der von der SVGD betrieben wird. Die Schutzgemeinschaft sorgt für die Ein- und Verkäufe der Tiere und ist beratend bei der Tierhaltung tätig. „Wir haben den Naturerlebnispfad neu gestaltet, auf dem man sich über den Wald, die Natur und die Forstwirtschaft informieren kann“, zählt Pellekoorne auf. Ebenso wurde das Naturkundemuseum mithilfe von Currenta neu bestückt, von dort aus schwärmen die Walddedektive zweimal in der Woche aus. Die von der SDW gepflanzte Streuobstwiese wird von speziell ausgebildeten Mitgliedern gepflegt, ebenso wie der einmalige Geopark mit seinen kristallinen Gebilden. Das aktuelle Programm der waldpädagogischen Angebote liegt im Tierpark aus. „Wir wollen einfach den Spaß an der Natur wecken“, so Pellekoorne, der sich mehr jüngere Mitglieder wünscht, die die tatkräftigen Senioren unterstützen.

Naturranger Carsten Müller mit Linus, Jerik, Jette und Anneke. Foto: Hammer, Linda (lh)

Ebenfalls Unterstützung benötigt Carsten Müller, Leiter der Sielmanns Natur-Ranger im Stadtgebiet, die Jugendorganisation der Heinz-Sielmann-Stiftung. Ganz im Sinne des Mottos „Naturschutz als positive Lebensphilosophie“ des berühmten Tierfilmers haben es sich die Natur-Ranger zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche für die Wunder der Natur zu begeistern. „Manchmal übernehmen sogar die Kinder selbst Parts bei den Führungen“, sagt Müller, der seit 35 Jahren Natur-Ranger ist und Fledermauswanderungen bei der Naturerlebniswoche angeboten hat. „Wir bestimmen zum Beispiel Pflanzen, bauen Nistkästen oder pflegen die Obstwiese. Wir haben schon dem Nabu bei der Pflege der Kopfweiden geholfen“, erläutert er.

Das Umweltteam fördert Fairen Handel – mit NGK-Schülern. Foto: Stadt

Unter den rund 300 Nabu-Mitgliedern zählt Gernot Göbert 24 aktive. „Wir sind die zweitgrößte Ortsgruppe im Rhein-Kreis Neuss, gleich nach Meerbusch“, sagt er. Im Stadtgebiet stehen etwa 1200 Kopfweiden, die allesamt von Nabu-Mitgliedern kartiert und nummeriert wurden. Zwischen November und Februar sind sie jedes Wochenende aktiv, um die Bäume zu pflegen, sie schaffen rund 70 im Jahr. „Das machen wir nicht etwa als Kulturpflegeprogramm, sondern weil ein solcher Baum das reinste Biotop ist und etwa Steinkauzen oder Fledermäusen als Lebensraum dient.“ Doch es gehöre noch viel mehr dazu als die reine Praxis an der frischen Luft, hinzu käme jede Menge Büro-Arbeit. Das zweite Standbein des Nabu ist die Jugendarbeit. So veranstaltet er regelmäßig naturnahe Kindergeburtstage, die sich schon längst zum Selbstläufer entwickelt haben. „Es ist wichtig, Basisarbeit zu betreiben“, sagt der 51-Jährige. „Es gibt ständig etwas zu tun, das könnte man locker in Vollzeit machen. Doch wir wollen ehrenamtlich dazu beitragen, dass Dormagen weiter so lebenswert bleibt.“

Darum sorgt sich auch das Umweltteam der Stadt. Drei Mitarbeiter sind im Bereich Klimaschutz, Umweltschutz sowie Umweltbildung tätig. Dennis Fels ist Klimaschutzmanager und für die Umsetzung des städtischen Klimaschutzkonzeptes verantwortlich. Zu den wichtigsten Projekten gehört das Konzept „Energiequartier Horrem“, das in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll, sowie die „Elektromobile Stadtverwaltung Dormagen“. Carsten Wienberg betreut diverse Projekte im Bereich Umwelt- und Klimaschutz, besonders fallen die Planung, Anlage und dauerhafte Pflege ökologisch wertvoller Ausgleichsflächen in seinen Aufgabenbereich. Anke Tobies-Gerstenberg ist für Umweltpädagogik und Projektorganisation zuständig. Sie initiiert etwa den jährlich stattfindenden Wettbewerb „Nachhaltige Schule“, der sich an die Dormagener Grundschulen richtet, und organisiert die von Juni bis September eines jeden Jahres stattfindenden Umweltscout-Kurse in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendbüro. Auch „Fairer Handel“ wird vom Umweltteam unterstützt. Das aktuelle Recycling-Projekt ist die Sammlung von Althandys.

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