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Dormagen: Dormagens Finanzrichter

Dormagen : Dormagens Finanzrichter

Der neue Chef des Finanzgerichts Köln residiert in Dormagen. Der gebürtige Münsterländer und Hobby-Taucher Benno Scharpenberg stand zuletzt dem Finanzgericht Greifswald vor. Heute wird er offiziell in sein Amt eingeführt.

Wer das Büro von Benno Scharpenberg (53) betritt, den umhüllt eine Sphäre von Recht, Gerechtigkeit und Gravität. Gesetzestexte sind säuberlich im Regal eingereiht, schwarze Sessel zu einer Sitzecke gruppiert, auf der Anrichte ist die schwere Nachbildung einer Waage platziert. Sie ist das Symbol für den Beruf von Benno Scharpenberg, der im gedeckten Nadelstreifenanzug und rosafarbener Krawatte erscheint, das silbergraue Haar ist kurz geschnitten.

Benno Scharpenberg ist seit Dezember Präsident des Finanzgerichts in Köln, er ist damit der Chef von 100 Mitarbeitern, die Hälfte davon sind Richter. Zu Hause ist der 53-Jährige seit März allerdings in Dormagen-Mitte. Für die Wahl gibt es verschiedene Gründe: "Die Nähe zur Familie, die gute Anbindung an Köln mit dem öffentlichen Nahverkehr und die Infrastruktur: Geschäfte für den täglichen Bedarf, Restaurants". Benno Scharpenberg und seine Familie fühlen sich schon heimisch, sagt er, obwohl die Familie noch damit beschäftigt ist, das Haus einzurichten.

Er wird ein wenig wortkarg. So richtig wohl ist Benno Scharpenberg nicht, wenn er über sein Privatleben spricht. Lieber redet er über seinen Beruf. Vielleicht ist es Bescheidenheit, sicher aber Interesse für sein Fachgebiet: "Mein Schwerpunkt ist die Gerichtsführung, Organisation und die Personalführung." Sein Job als Richter ist dadurch etwas in den Hintergrund gerückt. Ursprünglich kommt der 53-Jährige, der Vater von drei erwachsenen Kindern ist, aus Warendorf. Nach dem Jurastudium in München und Münster arbeitete er in verschiedenen Positionen: 1992 als Richter beim Finanzgericht Münster, später als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesfinanzhof, zuletzt als Präsident des Bundesfinanzgerichts Mecklenburg-Vorpommern in Greifswald. Es fiel ihm schwer wegzugehen. Landschaftlich sei es in Greifswald unglaublich schön. Doch auch seine neue Heimat er er bereits erkundet. Auf seinen Joggingtouren hat es den 53-Jährigen schon an den Rhein gezogen. Das Wasser ist ohnehin sein Element. Tauchen ist das große Hobby von Benno Scharpenberg.

Heute soll der Finanzrichter in sein Amt eingeführt werden. Hoher Besuch hat sich angekündigt: NRW-Justizminister Thomas Kutschty, Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters, der Vize des Bundesfinanzhofs Hermann-Ulrich Viskorf. Als Chef des Finanzgerichts sieht sich Benno Scharpenberg aber als Dienstleister für Otto-Normalverbraucher: "Wir kümmern uns, wenn ein Bürger oder Unternehmen nicht mit seinem Steuerbescheid einverstanden ist." Der Gang vors Finanzgericht sei lohnenswert. So führten rund 45 Prozent der Verfahren zu einem Erfolg. Benno Scharpenberg lächelt milde. Finanzminister Schäuble würde wohl ein kalter Schauer über den Rücken laufen.

(NGZ)