Dormagens FDP will Schutzraum für Mobbingopfer

Jugendhilfe in Dormagen : FDP will Schutzraum für Mobbingopfer

Die Liberalen haben einen entsprechenden Antrag gestellt. Doch die Stadt sieht keine Chance, ein solches Projekt zu finanzieren. Der Jugendhilfeausschuss soll am Donnerstag entscheiden.

Die Jungen Liberalen (Julis) hatten das Thema im Frühjahr bereits angesprochen. Im Zusammenhang mit dem Projekt „#Lifehacks“, bei dem sich Jugendliche intensiv mit Kommunalpolitik beschäftigt hatten, waren den „Julis“ Berichte von Schülern über Mobbing zu Ohren gekommen. Und: Laut „Julis“ hatten die Schüler konkret geäußert, dass ihnen ein Schutzraum für von Drangsalierungen Betroffene in Dormagen fehlen würde. Dieses Anliegen hat nun die FDP aufgegriffen und die Einrichtung eines solchen Raumes beantragt. Der Jugendhilfeausschuss soll darüber in seiner nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag, 19. September, ab 17.30 Uhr im Ratssaal diskutieren und entscheiden. Die Stadtverwaltung lehnt den Vorstoß ab, wie aus einem Beratungspapier für die Ausschussmitglieder ersichtlich wird. Tenor: Es gebe weder einen geeigneten Raum, noch Geld für Aufsichts- oder Fachpersonal. Auch aus pädagogisch-fachlichen Gründen gibt es Bedenken.

Die FDP argumentiert, dass in Dormagen Bedarf für einen Schutzraum bestehe. Dies sei aus Anfragen von Jugendlichen erkennbar. Ein Schutzraum solle Mobbingopfern die Möglichkeit bieten, sich dort auszutauschen, gemeinsam Mut zu schöpfen und nach Wunsch mit Psychotherapeuten ins Gespräch zu kommen. „Wichtiges Anliegen; das an uns herangetragen wurde, war es, dass die Schutzräume nicht öffentlich gemacht werden, sondern via Mund zu Mund von den Betroffenen kommuniziert, von den Vertrauenslehrern der weiterführenden Schulen den Betroffenen nahegelegt oder von privaten Therapeuten empfohlen werden“, schreiben FDP-Fraktionschef Karlheinz Meyer und der sachkundige Bürger der Liberalen, Dirk Rosellen. Man wolle Betroffenen die Möglichkeit geben, zusätzlich zu privaten Therapien oder Behandlungen ein Angebot wahrnehmen zu können, das dazu beitragen soll, den Kreislauf zu durchbrechen. Der Schutzraum sollte nach Vorstellungen der FDP zentral gelegen und mit Bus oder Fahrrad gut erreichbar sein.

Robert Krumbein, Erster Beigeordneter, hält für die Stadtverwaltung dagegen. Die Einrichtung eines Schutzraumes für junge Mobbingopfer durch das Jugendamt sei wenig sinnvoll, schreibt er. Die Mobbingopfer kämern erfahrungsgemäß aus unterschiedlichen Altersgruppen und hätten mit sehr individuellen Problemen zu kämpfen. „Die Hemmschwelle, einen solchen ,Schutzraum’ zu betreten, ohne zu wissen, wer sich ansonsten dort befindet, ist für die Opfer sehr hoch. Sie brauchen eine Person ihres Vertrauens, um sich öffnen zu können“, so Krumbein. Aus diesem Grund sei auch bislang kein entsprechendes Gruppenangebot der Erziehungsberatungsstelle konzipiert worden.

Zurzeit werde von der Schulverwaltung und dem Jugendamt das Ziel verfolgt, alle Schulsozialarbeiter miteinander zu vernetzen. Dabei solle ein gemeinsames Konzept zum „Umgang mit Mobbing und Mobbingopfern“ entwickelt werden.

Krumbein erläuert den Ansatz genauer: „Dieses Konzept soll in dem Umfeld greifen, wo Mobbing entsteht.“ Anlaufstellen für Mobbingopfer in Dormagen seien die Schulsozialarbeiter, der Klassen- bzw. Vertrauenslehrer, die Sozialpädagogischen Dienste des Jugendamtes, die Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes, offene Jugendeinrichtungen wie die Rübe, das Mädchen-Café oder das Netzwerk gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.

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