Dormagen: Dormagener vernetzt Wohnmobil-Fans

Dormagen : Dormagener vernetzt Wohnmobil-Fans

Karl-Heinz Hemmer initiierte 2009 den Wohnmobilisten-Stammtisch im Netzwerk 55+. Inzwischen sind 26 Wohnmobil-Fahrer dabei.

Es ist schon faszinierend: Karl-Heinz Hemmer macht nur einen Handgriff an der WC-Tür, die verwandelt sich in eine Art Wand, und schon wird aus den zuvor separaten Räumchen für die Toilette und die Duschecke ein zusammenhängendes, abgeteiltes kleines Badezimmer. Ein weiterer Handgriff - und über der gemütlichen Sitzecke fährt ein Fernsehschirm aus, der zuvor gänzlich unsichtbar war. Hemmer langt über den Fahrerraum des Fiat Ducati (Fahrgestell/der gesamte Aufbau ist von der Firma Frankia): Von oben fährt eine Schlafstelle für zwei Personen bis auf Lenkradhöhe herunter. Ein kleines Dachfenster weckt sofort die Vorstellung vom Blick in einen Sternenhimmel in klarer Nacht.

Fürs Erste muss es freilich bei der Fantasie bleiben. Denn das Wohnmobil von Karl-Heinz Hemmer, ein 7,50 Meter langes und 2,30 Meter breites Wunderwerk der Technik, steht zurzeit im Winterquartier, einer Halle in Gohr. Doch wer das in der Anschaffung rund 90 000 Euro teure Fahrzeug besichtigt, kann gut nachvollziehen, warum Hemmer und seine Frau Erika zu eingefleischten Wohnmobil-Fans geworden sind. "1990 haben wir unsere erste Tour gemacht, durch Österreich, die Schweiz und Italien. Das war noch in einem gemieteten Wohnmobil. Aber der Funke ist direkt übergesprungen", erzählt der 69-Jährige. Schon ein Jahr später kauften sich die Hemmers ihr eigenes Gefährt, später kam ein zweites hinzu, und dann wurde ein Gewerbe daraus. "Wir haben 20 Jahre Wohnmobile vermietet, meine Frau hat sich vor allem darum gekümmert", sagt Hemmer. Das gehört der Vergangenheit an. Jetzt, im Ruhestand, konzentriert sich das Ehepaar wieder auf eigene Touren.

Und die finden mitunter auch im größeren Kreis statt. 2009 rief Karl-Heinz Hemmer den Wohnmobilisten-Stammtisch im Dormagener Netzwerk 55+ ins Leben. Anfangs zählte der Kreis fünf Fahrzeuge, nun sind es 26. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder im Alter von 52 bis 84 Jahren zum Gedankenaustausch in der Nievenheimer Gaststätte "Zum Anker" (Schönewald), es gibt Sommerfest und Weihnachtsfeier, und ein- bis zweimal im Jahr wird eine Gemeinschaftsfahrt auf die Beine gestellt. In diesem Sommer geht es für drei Wochen nach Slowenien und Kroatien, auch Polen stand schon auf dem Programm. Persönlich hat es den Hemmers der hohe Norden besonders angetan. "Norwegen ist für mich das schönste Land Europas", schwärmt der frühere Diplom-Ingenieur im Bereich Elektrotechnik.

Allerdings sollte das Wetter mitspielen. "Wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist, lebt man eigentlich draußen", berichtet Hemmer. Nach drinnen gehe man quasi nur zum Kochen und zum Schlafen. Wenn's in Strömen regnet, bleibt nur wenig Raum - da müssen sich die Mitfahrer schon ausgesprochen gut kennen und verstehen, um sich nicht auf die Nerven zu gehen. Im Wohnmobil reist Hemmer deshalb nur mit seiner Frau. Bei Freunden oder Bekannten wäre ihm das Risiko, sich zu überwerfen, einfach zu groß.

(NGZ)