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Dormagener Vereine: Schützen reagieren gelassen auf Scholz-Vorstoß

Dormagener Vereine : Schützenvereine reagieren gelassen auf Scholz-Vorstoß

Der Bundesminister hatte angeregt, Vereinen, die Frauen ausschließen, die Gemeinnützigkeit zu entziehen.

Es gab 2016 mit Sabine Janning in Horrem die erste Schützenkönigin im Dormagener Stadtverband, die selbst den Vogel abgeschossen hatte. Mit der Frixheimerin Karoline Kahm, die 2016 Nettesheimer Bezirkskönigin war, wurde vor wenigen Tagen eine Frau zur Stellvertreterin des Bezirksbundesmeisters Frank Janssen gewählt. Frauen sind aus dem Schützenwesen eben nicht wegzudenken: als Marschiererin wie in Horrem, als Jungschützin wie beim BSV Dormagen, als Musikerin wie fast überall, als Mitglied beim Schießsport, wo sie seit Jahren erste Plätze belegen – ob aus Dormagen, Straberg oder Delrath –, als Mitfeiernde und als Teil der Schützenfamilie wie in ganz Dormagen und Rommerskirchen. Jetzt sorgt der Vorstoß von Bundesfinanzminister Olaf Scholz für Aufsehen, der angekündigt hat, reinen Männervereinen das Steuerprivileg der Gemeinnützigkeit zu entziehen, wenn sie nicht auch bereit seien, Frauen aufzunehmen.

Gelassen sieht das Ulrich Baumer, Brudermeister der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Straberg, der betont: „Wir grenzen keine Frauen aus, sondern das ganze Dorf feiert gemeinsam das Fest.“ Dabei gehe es doch darum, das Brauchtum zu pflegen, wobei selbstverständlich die Frauen mitmachen, so Baumer. Mitglied in der Bruderschaft können Frauen im Walddorf schon seit 25 Jahren werden – als Fördermitglieder. Aktiv als Schützin während der Umzüge sieht Baumer Frauen in Straberg jedoch nicht, allerdings habe der Verein auch noch nie einen Aufnahmeantrag von einer Frau für das Regiment erhalten. „Seit Oktober ist der Schießsport bei uns offiziell in der Geschäftsordnung geschlechterneutral aufgeführt, es können alle Mitglied unserer Schießsportabteilung werden“, so der Brudermeister, der auch auf reine Frauenvereine wie die Katholische Frauengemeinschaft verweist.

Mit einer Mischung aus Unverständnis und Souveränität reagierte Klaus Fischer, Vorsitzender des Männerchors Bayer Dormagen: „Bei uns kann jeder Mitglied werden. Aber auf der Bühne singen dürfen nur die Männer.“ Das würde das Stimmbild des Chors verändern, wenn auch Frauen mitmachen sollten, betont der Vorsitzende. Der Chor hat auch Frauen als passive Mitglieder in seinen Reihen. Die gesangliche Einbindung von Frauen ist jedoch weiter nicht vorgesehen, „dafür haben wir zum Glück ja eine ganze Reihe von gemischten Chören in Dormagen“, so Fischer. Sollte es zur Umsetzung des Vorhabens von Minister Scholz kommen und es die Gemeinnützigkeit des Vereins kosten, „würde das den Bestand des Vereins gefährden“.