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Dormagener Sozialbericht zeigt Kaufkraft und Schwächen der Stadtteile

Stadt Dormagen : Delhoven hat höchste Kaufkraft in Dormagen

Der erste Dormagener Sozialbericht zeigt mit Hilfe vieler Daten die Stärken und Schwächen der einzelnen Stadtteile auf.

Von Stadtteil zu Stadtteil lassen sich mit dem ersten Dormagener Sozialbericht, den die Stadtverwaltung in diesem Herbst vorgestellt hat, kleinteilige Vergleiche über die Entwicklung von 2012 bis 2017 ziehen, zum Beispiel was die Kaufkraft, den Anteil an Arbeitslosen und an Bedarfsgemeinschaften, die auf „Hartz IV“ angewiesen sind, betrifft. Erstmals gibt es dadurch einen gebündelten Überblick zur sozialen Lage in der Stadt und den einzelnen Stadtteilen. Wie Martin Braun vom Caritasverband im Jugendhilfeausschuss erklärte, „liegt uns damit ein hervorragendes Instrument für uns als Verband vor, um unsere Arbeit in einzelnen Stadtteilen noch stärker am Bedarf auszurichten“. So könnten neue Projekte noch besser entwickelt und bestehende gegebenenfalls nachjustiert werden. Dem stimmte auch Jo Deußen (CDU), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, zu: „Mit dem Zahlenwerk können wir prüfen, ob unsere Maßnahmen greifen und wo Handlungsbedarf besteht.“ Michael Dries, jugendpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, betonte: „Der erste Dormagener Sozialbericht zeigt deutlich auf, dass insbesondere Horrem neben Dormagen-Mitte und Hackenbroich mehr Unterstützung bei der Entwicklung als andere Ortsteile benötigt.“

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Bei der Kaufkraft ist eine generelle Steigerung in ganz Dormagen von 21.270 auf 22.893 Euro in den fünf Jahren zu verzeichnen, was einem Plus von 7,6 Prozent entspricht. „Dormagen liegt 2,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, allerdings betrug der bundesweite Anstieg in diesen fünf Jahren 11,1 Prozent“, erläuterte Bürgermeister Erik Lierenfeld bei der Vorstellung. Es gibt starke Differenzen zwischen den einzelnen Stadtteilen: Statistisch gesehen standen 2017 in Delhoven 33.288 Euro pro Einwohner zur Verfügung, in Horrem nur 16.074 Euro. Damit liegt Delhoven mit 149,7 Prozent an der Spitze, gefolgt von Straberg/Knechtsteden mit 126,9, Ückerath mit 125,9 sowie Gohr/Broich mit 122,2. In Horrem (74,7 Prozent), Delrath (91,1), Rheinfeld (94,1) und Hackenbroich/Hackhausen (94,3) am niedrigsten.

Gewachsen ist Dormagen im Betrachtungszeitraum insgesamt um 2069 Personen (3,3 Prozent). Zum Vergleich: In der BRD wuchs die Bevölkerung in dieser Zeit um 2,5 Prozent und in NRW um 1,9 Prozent. „Dabei sind es sowohl Flüchtlinge, die zu uns gekommen sind, als auch andere Zuzüge“, erklärte Erster Beigeordneter Robert Krumbein. Der Ausländeranteil stieg von 9,6 Prozent (6052 Menschen) auf 13,2 Prozent (8570) – ein Anstieg um 41,6 Prozent. In den drei größten Sozialräumen Mitte, Horrem und Hackenbroich lebten 2017 zusammengenommen 28.727 Dormagener (44,1 Prozent), fünf Jahre zuvor waren es dort nur 26.841 (42,5 Prozent). Die Bedeutung dieser drei Stadtteile hat somit zugenommen. Das sind auch die drei Stadtteile mit dem höchsten Migrantenanteil. „Horrem, Hackenbroich und die Innenstadt haben den größten Förderungs- und Unterstützungsbedarf“, so Lierenfeld.

Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist ein Plus von 9,4 Prozent – von 23.223 auf 25.412 – zu verzeichnen, der deutlich über dem Bevölkerungszuwachs von 3,3 Prozent liegt. 64,4 Prozent aller Dormagener im erwerbsfähigen Alter haben sozialversicherungspflichtige Arbeit – 42,6 Prozent davon sind Frauen. Bei den Bedarfsgemeinschaften nach SGB II hat ihre Zahl in Stürzelberg, Delrath, Straberg, Zons und Gohr/Broich abgenommen, allerdings in Delhoven, Mitte, Hackenbrouch und Rheinfeld zugenommen. Den mit Abstand höchsten Zuwachs weist Horrem, wo auch die meisten Flüchtlinge untergebracht sind, mit einem Plus von 37,5 Prozent an „Hartz IV“-Empfängern aus.