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Dormagener setzten Zeichen gegen rechte Gewalt

Demonstration : Dormagen setzt Zeichen gegen Rechts

Mehr als 250 Dormagener folgten dem kurzfristigen Aufruf eines privaten Aktionsbündnisses zur stillen Demo.

Keine Reden, aber ein Abstimmen mit den Füßen: Mehr als 250 Dormagener kamen am Montag um 17 Uhr auf dem Paul-Wierich-Platz vor dem Historischen Rathaus zusammen, um ein Zeichen gegen rechte Gewalt und für ein friedliches und buntes Dormagen zu setzen. Zur stillen Demonstration hatte kurzfristig am Wochenende das private „Dormagener Aktionsbündnis#wirsindmehr – Aufstehen gegen Rechts“ eingeladen.

Anlass war das gleichzeitig in Chemnitz stattfindende „Konzert gegen Rechts“ unter dem Titel „Wir sind mehr“ nach den rechtsextremen Ausschreitungen in der Stadt. Auf Facebook erklärten die Veranstalter: „Im Dormagener Aktionsbündnis #wirsindmehr haben wir uns spontan zusammengeschlossen, um zu einer Solidarveranstaltung in unserer Stadt aufzurufen: Wir wollen raus aus der Komfortzone – raus auf die Straße! Ohne große Reden – ohne Lärm und Gedöns 30 Minuten friedlich Flagge zeigen! Kommt zum Rathaus!“

Und diesem Aufruf folgten mehr als 250 Dormagener unterschiedlichen Alters. Als Sprecherin des Aktionsbündnisses begrüßte Sonja Kockartz-Müller zum „Stand-in“, bei dem es den Initiatoren bewusst darum ging, ein Zeichen gegen Hass und Hetze zu setzen: „Wir sind mehr als der Mob, der in Chemnitz tobt“, sagte die SPD-Ratsfrau unter dem Beifall der Teilnehmer: „Unsere Stadt ist einfach zu bunt, um braun zu sein.“ Sie forderte dazu auf, miteinander zu diskutieren und ins Gespräch zu kommen. „Wir stehen für ein friedliches Miteinander ein – hier und anderswo“, sagte Sonja Kockartz-Müller über Megaphon.

Dem schloss sich Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) im Gespräch mit unserer Redaktion an: „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir für die friedliche Gemeinschaft stehen.“ Daher freue er sich, dass sich unter dem Motto „Wir sind mehr“ auch auf Facebook „so viele dazu bekennen, sich gegen das Unrecht aus Hass und Fremdenfeindlichkeit zu stellen“. Hetze und Hass seien zu verurteilen, so Lierenfeld: „Wer Teil eines solchen Mobs ist, muss sich auch dazu rechnen lassen, die menschenverachtende Aussagen zu unterstützen.“ Daher gelte es, sich für eine friedliche Gesellschaft ohne Rassismus einzusetzen, den es auch in Dormagen gebe: „Auch hier werden Menschen diskriminiert.“ Dem stimmt Michael Buchartz (JU) zu: „Es ist wichtig, dass hier alle demokratischen Parteien des Stadtrates vertreten sind und sich gegen rechtsradikale Taten und Äußerungen wenden.“ Für Martin Pehé (Grüne) und Karlheinz Meyer (FDP) eine „Selbstverständlichkeit“.

Auch Vertreter der Kirchen, der Schützen und anderer Vereine waren bei der Demo gegen Rechts vertreten, was Jo Deußen (CDU) wichtig war: „Es ist für uns alle wichtig, hier gegen Hass und Hetze einzustehen.“ Vereine seien die Gesellschaft, da könne man sich ein Zurückziehen nicht leisten: „Wir haben Farbe bekannt. Eine trotz der Kurzfristigkeit des Aufrufs bemerkenswert große Zahl hat gezeigt, dass wir in Dormagen auf der bunten und nicht der braunen Seite stehen“, so Deußen.