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Dormagener Polizei rettet Mexikanern die Europareise

Ausweise verloren : Wie ein Dormagener vier Mexikanern aus der Patsche half

Beinahe wäre der Europareise einer vierköpfigen Familie aus Mexiko vorzeitig beendet gewesen - und zwar in Dormagen. Dank eines ehrlichen Finders ging der Urlaub aber weiter.

Beinahe wäre die Europareise einer vierköpfigen Familie aus Mexiko vorzeitig beendet gewesen. Dank eines ehrlichen Finders aus Dormagen ging der Urlaub aber weiter.

Rund 9000 Kilometer fern der Heimat - und plötzlich sind sämtliche Ausweisdokumente und Reiseunterlagen futsch: Diesen Alptraum erlebte jetzt eine vierköpfige Familie aus Mexiko. Dass sie ihren Europatrip im Allgemeinen und Deutschland und das Rheinland im Besonderen trotzdem in guter Erinnerung behalten dürfte, kann sich die Polizei in Dormagen auf ihre Fahnen schreiben. Denn die half den Touristen mit großem Engagement aus der Klemme. Ebenfalls viel Anteil am Happy End hat ein junger Mann aus Dormagen. Der 21-Jährige bekam wegen seiner Ehrlichkeit Mittwoch ein Lob von Polizeisprecherin Diane Drawe: "Er hat sich vorbildlich verhalten."

Foto: Kirschstein Frank

Ehrlicher Finder

Der 21-Jährige hatte nämlich am Montag am Kölner Hauptbahnhof jenen Rucksack gefunden, in dem sich die Papiere (und weitere persönliche Gegenstände) der mexikanischen Touristen befunden hatten. Der Rucksack war in der Bahn vergessen worden. Da der Finder zunächst nicht wusste, wem er den Rucksack aushändigen sollte, hatte er ihn zunächst mit nach Hause nach Dormagen genommen und sich mit Angehörigen beraten. Die empfahlen den Weg zur Polizei.

In der Dormagener Wache war der Rucksack dann bei einem diensthabenden Beamten gelandet, der feststellte, dass er mexikanischen Touristen auf Europareise gehörte. Auch erkannte er die wahrscheinliche Notlage der Besucher aus Mittelamerika - und bewies ein ganz großes Herz. Anhand der im Rucksack vorhandenen Unterlagen machte sich der fleißige Beamte an die Recherche des Aufenthaltsortes der Mexikaner.

Mitten in der Nacht allerdings alles andere als ein Selbstläufer. "Der Kollege hat bestimmt 20 Telefonate geführt", berichtete Diane Drawe. Denn in vielen der Hotels, die laut Unterlagen als nächste Reiseziele der Mexikaner avisiert waren, war die Rezeption zu später Stunde nur mit Aushilfspersonal besetzt. Zunächst ließ sich nicht herausfinden, wo sich die Gesuchten befanden.

Polizei ließ nicht locker

Doch der Dormagener Polizist und seine Kollegen ließen nicht locker und zogen alle Register. Neben den Hotels wurden die zuständigen Mitarbeiter der Botschaft kontaktiert. Erfolg hatten die Fahnder schließlich, nachdem die private E-Mail-Adresse des Familienvaters ermittelt werden konnte. Der meldete sich kurz nach der Anfrage des Polizisten, und schon am Dienstag konnten die überglücklichen Touristen ihre vollständig vorhandenen Sachen bei der Kripo abholen. Damit stand dann auch der Weiterreise nichts im Wege. Nach Belgien und Luxemburg führte die Mexikaner der Weg weiter nach Baden-Baden. Auch Hamburg wollten sie sich noch ansehen, teilte Drawe mit.

Dormagen mag da zwar von den Sehenswürdigkeiten her nicht mithalten können. Doch man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Chemiestadt in der Familie nun "Botschafter" in Mexiko hat, die trotzdem in höchsten Tönen von ihr schwärmen werden. Das jedenfalls lässt eine herzliche E-Mail vermuten, die der Familienvater auf Englisch an die Beamten der Dormagener Polizeiwache geschickt hat. Sinngemäß heißt es dort: "Sie sind das leuchtende Beispiel für einen Menschen und Bürger in einem zivilisierten Land. Sie haben unseren Familienurlaub gerettet. Vielen herzlichen Dank! Ich wünschte, es gäbe noch viel mehr solcher Polizisten in der Welt!"

(ssc)