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Dormagener Pfarrer Frank Picht ist auch Konzertveranstalter

Musikalischer Pfarrer in Dormagen : Pfarrer gewinnt Seelen mit Rockmusik

Der evangelische Pfarrer Frank Picht ist auch Konzertveranstalter. Damit erreicht er besonders die mittlere Generation. In der Corona-Krise hat er nun alle großen Veranstaltungen bis Ende August abgesagt.

Frank Picht hatte zunächst noch abgewartet, doch dann wurde auch er von der Corona-Krise eingeholt. Der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Dormagen musste sich in den Kreis derer einreihen, die Absagen zu verkünden hatten. Bei Picht betraf das indes nicht nur Gottesdienste. Weil der 55-Jährige auch Konzerte organisiert, hatte er auch den Freunden der Reihe „Friday Night“ eine unfrohe Botschaft zu verkünden. Der im Gemeindesaal neben der Christuskirche (Kulturkirche) geplante Auftritt von Mercy Street fand nicht statt, es soll nachgeholt werden. Jetzt hat Picht alle großen Veranstaltungen bis zunächst Ende August abgesagt. Das Konzert der Schweizer Freunde Gion Stump & The Lighthouse Project und den Dormagener Neustartern LAP7 wurde vom gestrigen Freitag auf den Herbst verschoben, das von Page 1 sogar ins nächste Jahr.

Jetzt am Sonntag haben Christuskirche, Lukaskirche und Friedenskirche von 10 bis 12 Uhr zum Gebet geöffnet, bis ab Mai Gottesdienste unter Hygiene- und Abstandsmaßnahmen wieder stattfinden können.

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Auch wenn die aktuelle Situation eine Veranstaltungspause erzwingt: Wie bringt der Pfarrer seinen Beruf mit dem des Veranstalters unter einen Hut, vor allem zeitlich? Seit acht Jahren kümmert er sich um die Friday-Night-Reihe, anfangs im Gespann mit dem Dormagener Andreas Zöller, inzwischen federführend alleine – wenngleich er bei den Konzertabenden von einem mehr als zehnköpfigen ehrenamtlichen Team unterstützt wird. Beschränkung, Spaß an der Sache und klare Prioritäten sind es wohl, die die Doppelfunktion ermöglichen, schildert Frank Picht. „Von wenigen Ausnahmen abgesehen, finden die Konzerte nur einmal im Monat statt, sonst käme ich an meine Grenzen“, sagt der Seelsorger. Und ohne Freude an Musik und Konzerten würde er es ohnehin nicht machen. Vorrang aber hätten immer die Gemeindeglieder. „Wenn zum Beispiel jemand im Sterben liegt oder andere Aufgaben als Pfarrer anliegen, steht die Konzertplanung natürlich hintenan“, betont Picht.

Grundsätzlich ist ihm besonders daran gelegen, beide Aufgabenbereiche miteinander zu verbinden. Denn mit den Konzerten und der Musikauswahl, die überwiegend Rock und Pop, mitunter aber auch Blues umfasst, erreicht er Menschen, die eher wenig oder keine Berührungspunkte mit Kirche und Gemeinde haben. „Über die Konzerte kriege ich einen Draht zu einer Bevölkerungsgruppe, den ich sonst wahrscheinlich nicht hätte“, sagt der Pfarrer, der dies wie eine „Mischung aus Dienst und Freizeit“ empfindet. Für Kinder und Senioren werde in den Gemeinden meist einiges angeboten, für die mittlere Generation vergleichsweise weniger.

Wichtig ist ihm, den Besuchern Qualität zu bieten. Inzwischen wenden sich viele Bands von selbst an ihn, schicken Demo-CDs und fragen nach Auftrittsmöglichkeiten. Picht wählt durchaus kritisch aus, wobei er gerne auch unbekanntere Musiker auf die Bühne holt. Aber eben nur, wenn sie was drauf haben. Sein persönlicher Geschmack spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle, erzählt er. Es gehe in erster Linie darum, dass es den Zuhörern gefalle.

Zu manchen Bands und Musikern haben sich Freundschaften entwickelt. Picht nennt die Kölsch-Rocker von MAM, die wohl von allen Künstlern auch am häufigsten in der Christuskirche zu Gast waren. Mehrfach da waren u.a. aber auch die Coverbands Rubber Soul (Beatles), Agnetha (Abba) und Pink Pulse (Pink Floyd), auch die „Altstars“ Ulla Meinecke, Purple Schultz und „Major“ Klaus Heuser (früher BAP). Agnetha sorgte mit rund 170 Fans für den bisherigen Besucherrekord in der Friday-Night-Reihe. „Doch das waren schon fast zuviele Leute für unsere Location“, sagt Picht. Ideal seien 140 bis 150.

Und was hört der Pfarrer zu Hause privat? „Frank Zappa, David Bowie, Genesis, Pink Floyd“, zählt er auf, außerdem ein wenig Jazz und Weltmusik. „Und Beatles und Stones. Ich mag sie beide“, sagt er grinsend.