Dormagen: "Dormagener Modell" wird ausgebaut

Dormagen : "Dormagener Modell" wird ausgebaut

Die Stadt hat einen Vertrag mit der Walter-Blüchert-Stiftung geschlossen, um alleinerziehende Mütter weiter zu unterstützen: Prävention verhindert gesundheitliche Problemen in Familien und vermeidet hohe Folgekosten.

Alleinerziehenden helfen, ihren Alltag zu meistern und eine starke Bindung zu ihren Kindern aufzubauen. Das ist das Ziel des Elterntrainings "wir2", das die Stadt Dormagen nun mit der Dormagener Sozialdienst gGmbH (DoS) und der Walter-Blüchert-Stiftung anbietet. "Damit intensivieren wir das ,Dormagener Modell', mit dem wir Familien präventiv unterstützen", sagte Bürgermeister Erik Lierenfeld. Mit dem Vorgängerprogramm "Palme" habe die Stadt bereits gute Erfahrungen gemacht. Rund 100 Mütter haben bereits seit 2006 einen der für sie kostenlosen Kurse besucht. Durch die finanzielle Beteiligung der Stiftung sei das Bindungstraining "wir2" nun für drei Jahre gesichert. Denn so wertvoll Präventionsarbeit sei und auch hohe Folgekosten vermeide, bleibe sie doch eine "freiwillige Leistung", die in Zeiten leerer städtischer Kassen auf dem Prüfstand stehe.

Dass Familien gestärkt und unterstützt werden, bevor sich familiäre Probleme, gesundheitliche Schäden und psychosoziale Belastungen angehäuft haben, ist ein Merkmal der erfolgreichen Präventionskette, die als "Dormagener Modell" bundesweit Anerkennung findet. So war auch die Walter-Blüchert-Stiftung nur allzu gern bereit, sich in der "Präventions-Vorzeige-Kommune" zu engagieren, wie Projektleiterin Anita Offel-Grohmann betonte: "Wir wollen langfristig helfen." Die drei Vertragspartner sichern mit der "Premium-Partnerschaft" die Hilfe für Alleinerziehende: Außer in Dormagen gibt es diese Partnerschaft nur noch in Neuss und Hilden, bundesweit wird das Programm in 30 Städten mit 300 geschulten Gruppenleitern angeboten.

Dass diese Hilfe nötig ist, ist angesichts steigender Zahlen von Alleinerziehenden klar: Inzwischen wächst jedes fünfte Kind mit einem Elternteil auf - in 90 Prozent der Fälle bei der Mutter. Zu ihren emotionalen Sorgen kommen oft auch finanzielle Probleme. "Wir können die psychosoziale Belastung verringern und den Müttern helfen, wieder Bindungen einzugehen", erklärt Professor Matthias Franz vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Er hat das Bindungstraining entwickelt und begleitet es weiter. "Kinder, die nach dem Krieg ohne Vater aufwuchsen, waren noch 60 Jahre nachher häufiger psychisch erkrankt als Kinder, die mit beiden Eltern aufwuchsen", erläutert Franz: "Mit Bindungsarbeit wird verhindert, dass lebenslang Psychopharmaka genommen werden müssen." In der "Bundeshauptstadt der Prävention Dormagen" sollen nun bei "wir2" Mütter lernen, die Signale ihrer Kinder wieder zu verstehen. Wenn die Mutter gestärkt ist, sinkt das Risiko des Kindes, psychisch krank zu werden. "Bindungen sind wichtig, damit Kinder selbstbewusst und zufrieden werden", sagt Jugendamtsleiterin Martina Hermann-Biert: "Das neue Projekt bietet dazu noch mehr Möglichkeiten."

Auch DoS-Geschäftsführer Gerd Trzeszkowski unterzeichnete den Kooperationsvertrag. "Die DoS übernimmt die Koordination der Hilfen", wies er darauf hin, dass acht geschulte Gruppenleiterinnen für das Training zur Verfügung stehen.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE