Dormagener Kantorei: Erste Chor-Herausforderung gemeistert

Dormagener Kantorei : Erste Chor-Herausforderung gemeistert

Mit seinem ersten großen Konzert mit der Dormagener Kantorei in der Basilika Knechtsteden zeigte Kantor Georg Wendt seine Vorliebe für Experimentelles: Verschiedene Musik-Genres trafen spannend aufeinander.

Eine Premiere der besonderen Art: Beim geistlichen Karfreitagssingen und -spielen stand der neue Chorleiter der Dormagener Kantorei im Mittelpunkt des aufmerksamen Interesses. Auch das Motto „Sterben – Lernen“ war für diesen ernsten Tag sehr gut gewählt.

Wer eine solche Aufgabe wie die Nachfolge in der Dormagener Kantorei übernimmt, braucht gute Ideen. Weitermachen wie bisher, das gilt für den neuen Mann offenbar nicht. Der Kirchenmusiker Georg Wendt (36), der im Herbst 2018 aus Sachsen nach Dormagen kam, hat klare Vorstellungen von seinem Amt. „Die Verbindung zwischen verschiedenen Musik-Genres festzumachen“ ist eine davon. Eine andere lautet: „Das Publikum zu gewinnen, damit es über seine Hörgewohnheiten hinausgeht.“

Nicht weniger als beherztes Engagement und aktives Mitmachen erwartete der neue Kantor also von den Kirchenbesuchern beim ersten Karfreitagskonzert unter seiner Regie in Dormagen. Die musikalische Unterstützung evangelischer Gottesdienste in der Christuskirche gehört zu Wendts laufenden Aufgaben. Begeistert äußert er sich über die 2015 eingeweihte Kampherm-Orgel: „Sie verfügt über eine Menge Register in allen Tonlagen und hält trotz einer gewissen räumlichen Enge den hohen Standard.“

Großes Lob äußert der Newcomer auch über den zuvor von Vor-vorgänger Christian Stähr und Vorgängerin Christine Marx geleiteten Chor. Mit dessen 45 Sängern und Sängerinnen hat sich Georg Wendt nun einer ganz speziellen Herausforderung gestellt. Nämlich gemeinsam mit der dem gregorianischen Singen verpflichteten Choralschola an der Basilika Knechtsteden, geleitet von Bert Schmitz, und dem Percussionisten Günter Sommer stand überwiegend lateinischer Gesang auf dem Programm.

Diese Meditationen waren angelehnt an die liturgische Form der Vesper und an die Reflektion alter Bibeltexte, immer wieder aufgebrochen durch subjektive Improvisationen. Zur neuen Handschrift des Kantors gehört erkennbar das Experimentieren, was der verblüffende Auftritt des Percussionisten zeigte: Der Dresdner Günter „Baby“ Sommer (75) gehört zur europäischen Avantgarde des Free Jazz und präsentierte mit seinem Gong, mit Pauken, Hörnern und Pfeifen ganz neue Klangwelten. Umringt vom staunenden Chor und den mental geforderten Zuhörern löste dieser eigenwillige Künstler das Versprechen von Wendt ein, indem er allen zumutete, über ihre Hörgewohnheiten weit hinauszugehen. Für die Basilika waren diese Klänge zweifellos eine Entdeckung. Fremde Musikkulturen wurden zitiert, Pausen und Stille traten als Gestaltungsmittel auf. Auf jeden Fall waren konzentriertes Hinhören und -sehen gefragt. Manch einer schmunzelte, die allermeisten waren fasziniert von diesem gelegentlich ostasiatisch anmutenden Klangteppich.

Dann hatten wieder die Dormagener Kantorei und ihr Dirigent Georg Wendt das Sagen. Und tatsächlich passten die Übergänge und blieb der Spannungsbogen erhalten. Gregorianik, Renaissance, Kirchenlatein und Percussion von dieser Klasse erwiesen sich als kompatibel, wenn auch hoch anspruchsvoll. Das kundige Publikum applaudierte gar nicht – und war begeistert.

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