Dormagen: Dormagener ist Detektiv der Geschichte

Dormagen : Dormagener ist Detektiv der Geschichte

Seine Leidenschaft gilt Geheimmissionen während des Zweiten Weltkriegs. Dafür ist Kameramann Egmont Worms häufig in Belgien und Luxemburg unterwegs. Gerade hat er in den Ardennen ein Flugzeug-Wrack ausfindig gemacht.

Eigentlich will Egmont Worms eine Dokumentation über Elvis Presley drehen. Doch im Moment hat er keine Zeit für Rock 'n' Roll. In zwei Jahren jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal. Für TV-Sender ein Anlass, um bereits jetzt eine Vielzahl von Dokumentationen produzieren zu lassen. Aus diesem Grund ist das Fachwissen von Worms wieder sehr gefragt. Denn der 64-jährige Kameramann hat sich spezialisiert auf Geheimmissionen während des Zweiten Weltkriegs. Er spürt Orte auf, an denen sich Historisches ereignet hat. Das dabei entstehende Filmmaterial verkauft er an TV-Sender wie das ZDF, N24 und Arte.

Gerade ist Worms von seiner jüngsten Reise zurückgekommen. Er war gemeinsam mit Kollegen in den luxemburgischen Ardennen. 50 Kilometer vom belgischen Bastogne, mitten im Wald, hat er einen Bomber der Alliierten ausfindig gemacht. Die Geschichte fasziniert Worms: Im März 1945 war die Lockhead Hudson in geheimer Mission unterwegs nach Deutschland. Die Aufgabe: Ein Teil der Besatzung sollte hinter den feindlichen Linien Abspringen und für Sabotage-Akte sorgen. Doch wegen schlechten Wetters musste die Maschine mit drei Belgiern, zwei Engländern und einem Neusseeländer umkehren. Doch die Flugabwehr der Alliierten hielt den Bomber für eine deutsche Maschine. Eine Northrop P-61 Black Widow schoss das rückkehrende Flugzeug vom Himmel. Die Soldaten starben. Begraben wurden sie direkt an der Absturzstelle.

Ein Freund hatte ihn auf die Geschichte aufmerksam gemacht, und so suchte Worms die Absturzstelle auf. Obwohl sie sich mitten im Wald befindet, wurde sie mit Zäunen abgeriegelt. Damit wollen Behörden verhindern, dass sich Souvenir-Jäger an dem Wrack zu schaffen machen. Für Worms und sein Team machten sie eine Ausnahme und öffneten den Zugang. Das Filmmaterial ist für die Reihe "ZDF-History" bestimmt.

Für Worms' Faszination an den oftmals tragischen Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs sind zu einem Teil seine Großeltern verantwortlich. Sie erzählten ihrem 1948 geborenen Enkel von der Zeit. In Gronau geboren, wo er nach eigener Angabe mit Udo Lindenberg die Schulbank drückte, verbrachte er einen großen Teil seiner Jugend im Ruhrgebiet. 1976 zog es ihn dann nach Dormagen, wo er für das Stadtarchiv arbeitete. Was sein Fachgebiet angeht, ist Worms Autodidakt: Er hat nie studiert. Das Wissen um die historischen Ereignisse hat er sich unter anderem angelesen. Kontakte zu seinen Hinweisgebern pflegt er zum Beispiel bei Veteranen-Treffen.

Allzu bald wird Worms nicht dazu kommen, sein Projekt zu Elvis Presley umzusetzen. Stattdessen will er sich als Nächstes auf die Spuren des "Westwalls" begeben. Jener riesigen Befestigungsanlage, die das Deutsche Reich vor Angriffen der Alliierten schützen sollte. Zudem will er in Belgien das vermutlich einzige Denkmal für afroamerikanische Soldaten des Zweiten Weltkriegs besuchen. Eine Gruppe schwarzer US-Soldaten wurde in dem Örtchen Wereth Ende 1944 von einer SS-Einheit ermordet. Anwohner schufen den Getöteten ein Denkmal.

(NGZ)
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