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Dormagen: Dormagener im Eishockeyfieber

Dormagen : Dormagener im Eishockeyfieber

Die 75. Eishockey-WM, die morgen mit dem Finale ihren Höhepunkt erlebt, zieht Kufen-Cracks und Zuschauer gleichermaßen in den Bann. Im slowakischen Bratislava war auch eine Gruppe aus Dormagen dabei.

Dormagen/Bratislava Als Felix Schütz zum sensationellen 4:0 für die deutsche Auswahl gegen die Slowakei einnetzt, setzt Ingo beim Public Viewing in Bratislava zur Ehrenrunde an. Mit Deutschland-Fahne triumphiert der Düsseldorfer, der mit seinen langen wallenden Haaren Wolfgang Petry ähnelt, an Fans und Bierbuden vorbei. Er "high-fived" alles, was ihm in den Weg kommt.

3000 Slowaken schauen derweil konsterniert auf die Großleinwand neben der Orange Arena. Die Niederlage gegen den Außenseiter aus Deutschland erschüttert die Einheimischen bis ins Mark. Eishockey ist in der Slowakei nicht irgendein Sport. Eishockey ist slowakische Seele und für viele Menschen in der fünfeinhalb Millionen Einwohner zählenden Republik Lebenselixier. "Diese Begeisterung für das Eishockey ist hier in jedem Winkel der Stadt spürbar", sagt der Stürzelberger Jürgen Dobernecker, der mit drei DEG-Fans zu den Spielen in die slowakische Hauptstadt gefahren war. Die Bäckersfrau grüßt im slowakischen Trikot, die Straßenbahn rollt mit dem stolzen Hinweis "Bratislava, Host City – WM 2011" an und selbst Pudel tragen Haarschleifchen in den Nationalfarben der Gastgeber. In den Altstadt-Kneipen und Cafés, die sich schon am Vormittag fest in der Hand der Eishockey-Touristen befinden, wehen die Fahnen aller 16 WM-Teilnehmer. Und überall ertönt "Slovenskoooo, heja, heja, heja Slovensko", die heimliche Hymne der Hausherren, aus den Boxen und Kehlen. Unter Eishockeyfans gibt es keine Grenzen. Wer die Sprache des anderen nicht versteht, benutzt Hände und Füße. Oder spendiert dem Fremden einfach ein Bier. Das ist in Bratislava mit 1,80 Euro für den halben Liter Corgon-Pils besonders günstig und sorgt für internationale Fachsimpelei. So versuchen Landshuter mit Sepplhüten, rot-weiß bemalten Dänen mit Wikinger-Helmen den Unterschied zwischen Weißbier und Pils zu erklären. Muskelmänner mit Sonnenbrillen im Finnen-Design nehmen den direkten Weg und stoßen gleich mit Slowenen im Trachten-Outfit an. Daneben hebt eine hübsche Lettin mit weinrotem Mini-Zylinder auf dem blonden Haar den Bierbecher.

Die deutschen Nationalspieler bekommen von den ausgelassenen Szenen am Rande der Bande nur wenig mit. Sie setzen die Ausrufezeichen auf dem Eis und beeindrucken insbesondere mit dem historischen 2:0-Erfolg gegen Rekordweltmeister Russland die staunende Fachwelt. Ein Jahr nach dem sensationellen vierten Platz bei der WM im eigenen Land zieht das Team von Bundestrainer Uwe Krupp erstmals als Vorrunden-Erster in die Zwischenrunde und später ins Viertelfinale ein. Dort ereilt den tapfer kämpfenden Kriegern mit dem Adler auf der Trikot-Brust der K.o. Auch Ingo, der es mit seinem schillernden Outfit regelmäßig ins Fernsehen gebracht hat, hat seine Deutschland-Fahne inzwischen über den heimischen Balkon in Düsseldorf gehangen.

(NGZ)