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Dormagen: Dormagener helfen den Hochwasser-Opfern

Dormagen : Dormagener helfen den Hochwasser-Opfern

Gleich mehrere Vereine und Gruppen sind in die Flutgebiete gereist, um die Folgen des Hochwassers an Elbe und Donau zu beseitigen.

Für die drei Pfadfinder war es eine spontane Entscheidung. Statt für die Sozialaktion "72 Stunden" in Dormagen zu helfen, beschlossen Yannik Börgener (18), Denja Otte (15) und Mark Gieseler (17), die Menschen in den Flutgebieten zu unterstützen. Auf eigene Faust organisierten die Pfadfinder vom DPSG Stamm Greifen aus Delrath innerhalb einer Woche eine Reise nach Magdeburg. Um die Tour finanzieren zu können, akquirierten sie Sponsoren wie Ineos, Ringcenter und Edeka Fausten & Knell. Mit einem Mietwagen ging es nach Magdeburg, wo sie vergangenen Donnerstag auf 500 andere Pfadfinder trafen und in Einsatzgebiete eingeteilt wurden.

Dormagen: Dormagener helfen den Hochwasser-Opfern
Foto: ON

Für die drei Dormagener Pfadfinder ging es von der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt weiter nach Dessau und Lostau. In Dessau räumten sie Inventar in ein Museum ein, in Lostau halfen sie, einen von der Bundeswehr mit Sandsäcken erhöhten Deich zurückzubauen. Es seien anstrengende, aber auch sehr schöne Tage gewesen. "Wir haben Sandsäcke ausgeschüttet und dabei viele Leute kennengelernt", sagt Yannik Börgener.

Per E-Mail und über das soziale Netzwerk Facebook halten sie mit einigen von ihnen Kontakt. Vor Ort hätten sie ein starkes Gemeinschaftsgefühl erlebt. "Es sind fremde Leute auf uns zugekommen, die sich bei uns für die Arbeit bedankt und uns gelobt haben", sagt der 18-Jährige. Es sei eine tolle Erfahrung gewesen, er würde jederzeit wieder Hilfe leisten.

Nicht nur die Pfadfinder, auch andere Vereine aus Dormagen haben in den Flutgebieten mit angepackt. 13 Jugendliche des Raphaelshauses starteten am vergangenen Montag zusammen mit fünf pädagogischen Fachkräften zu ihrem Fluthilfeeinsatz an die Elbe. Ziel war das kleine Städtchen Elster unweit der Mündung des durch Hochwasser bekannten Flüsschens in den Elbstrom. Nun, da die Pegel sinken und die Schwere der Deichverteidigung abklingt, beginnt die mühselige Arbeit, die Spuren der Flut zu beseitigen. "Auf den ersten Blick waren die Schäden für unsere Kinder nicht zu sehen", sagt Romina Langel, die die Gruppe aus dem Raphaelshaus als Pädagogin begleitete. Das Wasser war aus Elster gewichen. "Als sie dann die noch immer vollgelaufenen Keller sahen, waren sie voller Tatendrang", berichtet Langel, die bis Freitag mit dem Raphaelshausteam in Elster im Einsatz war.

In einer Schule und einem Kindergarten waren die Helfer im Einsatz. "Wir haben aufgeweichte Böden herausgerissen, Treibgut gesammelt, Fußleisten entfernt und Möbel nach brauchbar und unbrauchbar sortiert", erläutert sie. Acht Stunden waren die Helfer aus dem Raphaelshaus täglich im Einsatz – teils bei über 40 Grad Außentemperatur. "Wir mussten die Kinder regelrecht zwingen, Trinkpausen einzulegen", blickt Langel auf das Engagement der Jugendlichen zurück. "Die Wertschätzung, die die Kinder in dieser Zeit für ihre Hilfe und Arbeit erfahren haben, war eine sehr wichtige Erfahrung", sagt die Pädagogin. Raphaelshaus-Direktor Hans Scholten ist auf die Berichte der Helfer gespannt. "Ich bin sehr berührt über die Hilfsbereitschaft der Kinder und Jugendlichen beider Gruppen und das Engagement der Fachkräfte. Es ist ein gutes Zeichen am 17. Juni, diesem denkwürdigen Tag in der deutschen Geschichte, nach Sachsen-Anhalt aufzubrechen und dort Hilfe anzubieten", sagt er.

(NGZ)