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Dormagen: Dormagener getötet: Trio vor Gericht

Dormagen : Dormagener getötet: Trio vor Gericht

Vor dem Landgericht in Köln sind drei Jugendliche angeklagt, einen dreifachen Familienvater aus Dormagen in der Silvesternacht in Bickendorf erstochen zu haben. Ein Streit um Böller hatte den tödlichen Angriff ausgelöst.

Weil sie einen dreifachen Familienvater aus Dormagen getötet haben sollen, müssen sich seit gestern drei Jugendliche aus Bickendorf vor dem Kölner Landgericht verantworten. Die Angeklagten sollen in der Silvesternacht mit einem Messer auf den 39 Jahre alten Arbeiter eingestochen haben. Der Dormagener hinterlässt drei Kinder und seine Frau, den Jugendlichen drohen zehn Jahre Jugendstrafe.

Journalisten und Zuschauer hatten gestern zum Verhandlungssaal im Hochsicherheitsbereich des Kölner Landgerichts keinen Zugang — aufgrund des jugendlichen Alters der Angeklagten findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Anwälte der Opfer-Familie, aber auch die Verteidiger der drei Beschuldigten standen allerdings vor dem Gerichtssaal für Statements zur Verfügung. Das Opfer hatte in der Silvesternacht bei Freunden in Bickendorf gefeiert, offenbar hatte ein Streit um Böller um kurz nach Mitternacht den tödlichen Angriff ausgelöst.

"Die drei Jungen hatten Böller umhergeworfen", sagte Bernd Neunzig, Anwalt der Opfer-Familie, "daraufhin ist der Mann dorthin gegangen und hat gesagt, sie sollten das doch sein lassen." Anschließend habe sich die Situation zunächst beruhigt. "Die drei Angeklagten haben das spätere Opfer sogar umarmt, das ist bei Südländern ja manchmal so üblich."

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Dann allerdings hätten sie ein Messer aus der Küche einer Verwandten geholt und den 39-Jährigen hinterrücks erstochen. "Als er wehrlos und sterbend auf dem Boden lag, hat einer der drei Jungen noch mehrfach gegen seinen Kopf getreten. So ein Verhalten kann ich wirklich nicht nachvollziehen", sagte Neunzig.

Verteidiger Karl-Christoph Bode wollte die Tat der drei Jugendlichen nicht bestreiten, nahm die Angeklagten aber teilweise in Schutz. "Wir gehen davon aus, dass alle Beteiligten Streit gesucht haben. Die Sache ist allerdings einfach eskaliert und es ist zu diesem schlimmen Ergebnis gekommen." Die Jugendlichen würden die Tat inzwischen bereuen. "Das Ganze lastet schwer auf den Angeklagten, es geht ihnen nicht gut." Ein konkretes Ziel im Prozess wollten die Verteidiger nicht nennen — dies könne man ganz zu Beginn einer mehrwöchigen Hauptverhandlung noch nicht sagen, hieß es.

Familienangehörige des Opfers sind als Nebenkläger im Prozess dabei. Der Dormagener, seine Frau und die drei Kinder hatten gerade erst von ihrem Ersparten ein neues Haus gebaut. "Es war anfangs für die Familie nach diesem fürchterlichen Ereignis ganz schwierig, auch in wirtschaftlicher Hinsicht", erklärte Anwalt Bernd Neunzig, "inzwischen hat sich die Situation etwas entspannt, weil die Rentenkasse jetzt zahlt. Die Familie versucht, über die Runden zu kommen." Die vierte Strafkammer am Kölner Landgericht hat insgesamt zwölf Verhandlungstage angesetzt, um das Geschehen in der Silvesternacht in Bickendorf zu klären.

Dutzende Zeugen sollen gehört werden, die den Ablauf komplett oder teilweise beobachtet haben sollen. Mit dem Urteil wird frühestens in sechs Wochen gerechnet. Bis dato hat das Gericht den letzten Verhandlungstag für den 25. Juli vorgesehen.

(NGZ/rl/top)