Dormagen: Dormagener gedenken der NS-Opfer

Dormagen: Dormagener gedenken der NS-Opfer

Heute vor 80 Jahren ergriffen die Nationalsozialisten die Macht – auch auf Dormagen hatte das Auswirkungen, die Spuren hinterlassen haben. Dormagener erforschen die Nazi-Zeit und erinnern so an die Leidtragenden des NS-Terrors.

Das Jahr 1933 ist untrennbar mit der Machtergreifung durch die National-Sozialistische Deutsche Arbeiter-Partei (NSDAP) verbunden: Vor 80 Jahren wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Auch in Dormagen hatte die Machteroberung direkte Folgen, wie Vera Strobel, Geschichtslehrerin an der Realschule am Sportpark, erforscht hat: "Die Dormagener Nationalsozialisten besetzten Schlüsselpositionen in allen Ämtern, Behörden und Unternehmen mit Parteimitgliedern. Dabei spielte die IG Farben mit ihrem Direktor Langenbucher und die Zuckerfabrik eine entscheidende Rolle."

Seit zehn Jahren forscht die engagierte Lehrerin über die Zeit der Nationalsozialisten in Dormagen, dabei bindet sie auch ihre Schüler ein: "In allen zehnten Klassen spreche ich über die Nazi-Zeit und die Auswirkungen", sagt Vera Strobel, die gemeinsam mit ihrem ehemaligen Schüler Norman Kulartz einen Kurzfilm über jüdische NS-Opfer in Dormagen hergestellt hat. "Es ist wichtig, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten, damit der Terror sich nicht mehr wiederholt", erklärt Vera Strobel.

Für ihre Nachforschungen griff sie unter anderem auf Unterlagen im Archiv im Rhein-Kreis Neuss zurück, wo unterschiedliche Quellen zur Verfügung stehen, wie der Leiter Stephen Schröder erklärt: "In der Stadtgeschichte Dormagens ist überall noch Bedarf, Lücken zu schließen. Jeder ist eingeladen, sich mit den Personen und Strukturen der Geschichte zu befassen." Im Archiv im Kreiskulturzentrum Zons werden amtliche Akten der Verwaltung, Zeitungsbände, Schulchroniken und Fotos aufbewahrt, die durchforstet werden können. Die Mitarbeiter des Archivs helfen bei der Quellensuche.

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Auf die große Bedeutung des Gedenkens der NS-Opfer macht auch der stellvertretende Bürgermeister Erik Lierenfeld aufmerksam: "Wir dürfen diese schreckliche Zeit der deutschen Geschichte nicht vergessen und uns für ein friedliches Miteinander einsetzen, gerade weil immer wieder rechte Gewalt aufflammt." Die 42 Stolpersteine, die im Dormagener Stadtgebiet an die Opfer des NS-Terrors erinnern, seien genau deshalb verlegt worden: "Damit man buchstäblich darüber stolpert und innehält." Auch in der karnevalistischen Zeit sei es angebracht, Mahntage wie den "Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust" am 27. Januar zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau 1945 zu begehen.

Für Sonntag, 3. Februar, um 15 Uhr hat Erik Lierenfeld mit dem ehemaligen Lehrer Uwe Koopmann, Uwe Schunder, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Kiryat Ono, und Peter Hermann, Enkel von Ernst Junghans, zu einem kurzen Gedenken zum seit Dezember 2011 eingelassenen Stolperstein für das erste Dormagener NS-Opfer Ernst Junghans an die Westerburgstraße 7 nach Zons eingeladen. Am 3. Februar 1933, wenige Tage nach der Machtergreifung Hitlers, wurde Junghans nach einer Hatz auf Mitglieder der Kommunistischen Partei von NS-Männern angeschossen. Am Morgen des folgenden Tages erlag er seinen Verletzungen.

"Geschichte ist mehr als nur Buchinhalt, sie ist direkt erfahrbar", betont Uwe Koopmann, ehemaliger Lehrer der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, der sich für Friedensprojekte einsetzt.

(NGZ)
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