Dormagen: Dormagener feiern Kabarettist Philipp Simon

Dormagen : Dormagener feiern Kabarettist Philipp Simon

Der Applaus war groß, der Andrang anschließend am Signiertisch auch - sichere Indikatoren dafür, dass dem Publikum der Abend mit Kabarettist Philipp Simon am Freitag in der Kulturhalle ausgezeichnet gefallen hatte. Simon war auf Einladung des städtischen Kulturbüros im Rahmen seiner Tournee "Meisenhorst" nach Dormagen gekommen. Dass er hier eine Menge Fans hat, belegt die Nachfrage: Die Veranstaltung war bereits seit dem 2. Advent 2017 ausverkauft gewesen.

"Meisenhorst" ist laut dem Künstler die Sammelstelle menschlicher Eigenheiten. Und um diese "Meisen" drehte sich der gesamte Abend. Dabei wurden allzu menschliche Schwächen und Fehler an prominenten Beispielen abgearbeitet. So bekamen Kirche und Politik ihr Fett weg, aber auch die Gesellschaft als solche. Roter Faden war das Grundgesetz.

In vielen Situationen konnte sich das Publikum kaum halten. So als Simon die Teilung des Meeres in der Bibel in unsere Zeit holte. Trocken kommentierte er, dass Moses heute als krimineller Schlepper durchgehen würde. Angela Merkel bezichtigte Simon der Politik des Vergessens und Schweigens - was ja eher untypisch sei für eine Frau. Und bei der derzeitigen Situation in der Welt würde selbst die Hoffnung an Demenz erkranken. Auch international teilte der Künstler aus. Neben dem sehr politischen Teil rückte Simon die Philosophie in den Blickpunkt der Zuschauer. Wenn er beispielsweise die höhere Bedeutung darin erkannte, dass man auf dem Weg vom Sofa in die Küche vergessen hat, was man holen wollte. Das sei wie die Suche nach dem Sinn des Lebens. "Wo komme ich her, wo möchte ich hin und was mache ich hier eigentlich?" Simon plädierte für weniger Wachstumsforderungen und mehr Humanismus. Die Leitkultur solle eine humanistische Kultur werden. Auch Themen wie Pflegenotstand fanden ins Programm.

Bei aller Kritik an Politikern und linken und rechten Lagern plädierte der Kabarettist lebendig für das Erhalten der Meinungsfreiheit. Dämpfte die Stimmung aber wieder, als er ein Zitat vortrug. Auf die Frage, warum man denn die Meinungsfreiheit nicht respektiere, wo man doch früher durch selbige profitiert habe, antwortet der Zitierte: "Wir sind nicht so dumm wie ihr!" Als sich das Zitat als eines von Joseph Goebbels herausstellte, war es totenstill im Saal.

Besucher Heinz Maurer war begeistert: "Ich kannte Simon schon aus dem Fernsehen. Aber live war das noch mal beeindruckender." So ging um 22 Uhr ein sehr unterhaltsamer Abend zu Ende, der zwischen Spaß und Nachdenklichkeit, Politik und Philosophie, Kritik und Appell schwankte.

(NGZ)