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Dormagen: Dormagener Experten finden seltenen Pilz am Wahler Berg

Dormagen : Dormagener Experten finden seltenen Pilz am Wahler Berg

Die Hobby-Mykologen haben einen für ihre Gilde sensationellen Fund gemacht.

Er hat einen rötlich ockerbraunen Hut, helle Lamellen und einen dünnen zylindrischen Stiel: Für das Auge des Laien sieht der Weißsporige Dünentrichterling aus wie jeder andere Wald- oder Wiesenpilz. Für Fachleute aber ist der Anblick dieser Spezies eine kleine Sensation. Die Hobby-Mykologen Günter Großmann und Karl Wehr haben den seltenen Pilz vor einigen Wochen im Naturschutzgebiet Wahler Berg gefunden und ihn erst zum zweiten Mal im gesamten Bundesgebiet nachgewiesen.

"Wir kartieren das Gebiet seit April und haben bereits mehr als hundert Pilzarten verzeichnet", erklärt Großmann. Acht davon stehen auf der Roten Liste. So selten wie die Clitocybe leucodiatreta, so die wissenschaftliche Bezeichnung des Dünentrichterlings aus Stürzelberg, ist jedoch sonst keine. Am Fuß der Flugsanddüne mit ihren speziellen Bodenbedingungen findet der Pilz offenbar ideale Wachstumsverhältnisse. "Dass er auf nährstoffarmen Böden wächst, ist ein Hinweis darauf, dass er sehr konkurrenzschwach ist", erklärt Wehr. Das heißt, außerhalb dieser Nische würde die Art von anderen verdrängt. Sonst wächst der Weißsporige Dünentrichterling in Deutschland nur auf der Insel Usedom.

Dank Großmann und Wehr ist der Fund professionell erfasst und wissenschaftlich für andere Mykologen verwendbar. Als die Pilzkundler den Dünentrichterling auf dem Wahler Berg entdeckten, wussten sie selbst nicht sofort, womit sie es zu tun hatten. Denn die Bestimmung von unbekannten Arten ist aufwendig. Zunächst werden die Pilze in ihrer Umgebung fotografiert. Vor Ort notieren die Fachleute erste typische Merkmale, wie den Geruch, der sich nur an frischen Exemplaren feststellen lässt. "Wichtig ist, dass man auch die Begleitflora erfasst", erklärt Wehr. Viele Arten gehen Symbiosen mit Pflanzen ein.

Zu Hause untersuchen die beiden die Ausbeute ihrer systematischen Streifzüge unter dem Mikroskop. Bei 1000-facher Vergrößerung ist die Form und Beschaffenheit der Sporen zu erkennen – ebenfalls wichtig für die Bestimmung. Gibt es noch Zweifel, kann eine DNA-Analyse weiterhelfen. Eine Probe genügt, um sie in einem Labor auswerten zu lassen. "Heute kann sich selbst ein Privatmann eine DNA-Untersuchung leisten", sagt Großmann. Zum Schluss wird das Präparat getrocknet und archiviert.

Nicht immer entdecken Karl Wehr und Günter Großmann auf ihren Exkursionen Unbekanntes. Beide lieben es jedoch, mit offenen Augen durch die Natur zu streifen. In der Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde Niederrhein, deren Vorsitzender Wehr ist, tauschen sie sich mit Mykologen aus. "Mich hat an Pilzen immer fasziniert, dass sie scheinbar so plötzlich auftauchen", erklärt Wehr. Seit 25 Jahren beschäftigt sich der 62-Jährige mit der Mykologie.

Großmann ist über die Philatelie zu den Pilzen gekommen. Weil er schon als Junge Briefmarken mit Pilzmotiven gesammelt hat, interessierten ihn auch die Originale. Inzwischen hat er Regale voller Fachliteratur sowie ein Arbeitszimmer mit Mikroskop-Tisch und Fotoausrüstung. Essen mögen beide Fachleute auch die ungiftigen Exemplare eher ungerne. "Je mehr Fachwissen man bekommt, desto skeptischer wird man", sagt Großmann.

Vom Verzehr des Weißsporigen Dünentrichterlings raten die beiden dringend ab. Weil der Pilz so selten ist, wissen auch die Fachleute nicht viel über die gesundheitlichen Auswirkungen. So lange jedoch nicht das Gegenteil bewiesen ist, gilt die Art als potenziell tödlich giftig. Außerdem wäre es bei einer so seltenen Spezies ohnehin Frevel, wenn sie auf dem Teller landen würde.

(NGZ)