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Dormagen: Dormagener beurteilen ihren neuen Bahnhof

Dormagen : Dormagener beurteilen ihren neuen Bahnhof

Der neue Bahnhof ist seit einigen Tagen eröffnet. Es gibt Lob und Kritik. Der Aufgang für Rollatoren oder Kinderwagen wird oft kritisiert.

Eine junge Frau möchte mit ihrem Kinderwagen die Unterführung neben dem Netto-Markt zwischen Dormagen und Horrem unterqueren. Sie kippt den Kinderwagen vorsichtig nach hinten und rollt ihn mühsam Stufe für Stufe hinunter. Solche Szenen sind symptomatisch für den neu eröffneten Bahnhof. Denn der Abgang für Kinderwagen, Rollatoren oder ähnliches ist den meisten zu steil und das Geländer fehlplatziert. Rollstuhlfahrer müssen den anderen Zugang mit Aufzügen nehmen.

Friedhelm Sauer (78), der im Altenheim lebt und Rollstuhlfahrer ist, sagt: "Die abgeflachten Stufen hätten mehr nach links gemusst, damit die Leute mit Rollatoren sich festhalten können." Eine ähnliche Meinung vertritt Harald Grundmann (72). "Der Bahnhof ist schön geworden. Aber an ältere Leute haben sie nicht gedacht", urteilt er und führt weitere Verbesserungsvorschläge an: "Kaum ist es fertig, tropft es von den Säulen oben herunter." Nicht ein Mülleimer für Abfall oder Zigaretten sei vorhanden. Nur vorm Netto-Markt gibt es zwei für Kunden.

Der Dormagener Bernd Dick bezeichnet den Bahnhof in einer E-Mail an die Redaktion zwar als "schön", hat jedoch teils dieselben Mängel festgestellt: "Nach zwei Tagen Dauerregen konnte man die undichten Stellen im Glasdach gut sehen." Zudem solle man die nach seiner Einschätzung seit 18 Monaten defekten Uhren auf den Bahnsteigen wieder funktionstüchtig machen. Zum Thema Zeitanzeige meint Gabriele Starc (54), die jeden Tag mit der Bahn zur Arbeit fährt: "Eine Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz wäre nicht schlecht. Früher hatten wir eine Bahnhofsuhr." Auch ihr sind die fehlenden Abfalleimer aufgefallen. Außerdem kritisiert sie, dass es auf der Seite des Busbahnhofes keinen Aufzug gibt. Die Sache mit dem Busbahnhof selbst findet sie jedoch "genial gelöst".

Einen anderen Änderungswunsch hat Nilhan Schuhmann (30). Sie macht darauf aufmerksam, dass es nicht viele Parkplatze gibt und die direkt vor Netto auch nur für eine Stunde frei von Nettokunden genutzt werden können.

Die Übersicht und Optik rückt bei Manfred Berger (38) mehr in den Vordergrund als bei den anderen Befragten: "Die Leute irren umher und wissen nicht sofort, wo sie Fahrkarten kaufen können." Es gebe nur wenig Hinweise auf den Ticketverkauf. Des Weiteren kritisiert er, dass alles zubetoniert, kahl und grau sei. Grünflächen gebe es auch keine.

Positive Resonanz auf den umgestalteten Bahnhof kommt von den Mitarbeitern der ansässigen Läden. Dersim Sariates (22)vom Kiosk lobt neben dem Aussehen den Kundenzulauf: "Heute ist mehr Betrieb als früher. Hier ist Leben drin und es kommen mehr Leute."

Die Bäckerei gegenüber des Kiosks sieht es mit dem Kundenzulauf ähnlich. Miroslava Skibitzki (53) würdigt ferner die Polizeipräsenz: "Die Polizeipräsenz ist mir positiv aufgefallen. Die Beamten fahren hier öfters Streife, sogar sonntags." Als negativen Punkt führt sie ebenfalls die Einrichtungen für ältere Menschen oder Kinderwagen an.

Dem Rentner und Anwohner Hans Sent (73) gefällt nur die zum Busbahnhof gerichtete Seite. Darüber hinaus meint er: "Ich bezweifle, dass wir 200 Mieter für die Radstation finden werden. Es werden trotzdem Fahrräder wild abgestellt und nicht abgeholt." Sent fragt sich, ob es Maßnahmen gebe, um den Schmierereien nachzugehen und führt Kameras als adäquates Mittel an. Immerhin müssten solche Verunreinigungen vom Geld der Steuerzahler wieder entfernt werden."

Das Fazit der meisten Fahrgäste und anderen Nutzer zu dem Gebäude: Schöner Bahnhof, aber teilweise mit Verbesserungspotenzial.

(NGZ)