Dormagener Badesee: Vor 25 Jahren verschwand Kaiman Sammy im Strabi

Große Suchaktion in Dormagen : Vor 25 Jahren entwischte Kaiman Sammy in den Strabi-See

Bei einem Ufer-Spaziergang mit seinem Herrchen Jörg Zars entwischte der Brillenkaiman Sammy von der Leine und tauchte in den Straberg-Nievenheimer See ab – vor genau 25 Jahren. Ein Rückblick.

Bei einem Ufer-Spaziergang mit seinem Herrchen Jörg Zars entwischte der Brillenkaiman Sammy von der Leine und tauchte in den Straberg-Nievenheimer See ab – vor genau 25 Jahren, am 10. Juli 1994. Das „krokodilbelastete“ Baggerloch war in den darauffolgenden fünf Tagen dicht umlagert von Medienvertretern aus der Region und weit darüber hinaus. Vom „Ungeheuer vom Loch Neuss“ war ebenso zu lesen wie von der „Bestie vom Baggersee“, die ihr Unwesen trieb – Schilder warnten die Badegäste vor dem Schwimmen mit Krokodilen. Kameraleute filmten alle Versuche, den Alligator einzufangen. „Das war die ungewöhnlichste und medienwirksamste Geschichte, die ich je erlebt habe“, sagt Hans-Willi Arnold, der damalige Neusser Polizeisprecher rückblickend auf mehr als 40 Jahre im Polizeidienst.

Am Tag nach der Rettung titelte die NGZ am 16. Juli 1994: Happy-End am See: „Sammy“ wohlauf. Auf dem Foto „Sammy“ mit Herrchen Jörg Zars. Foto: Michael Reuter

Und dabei war Sammy gar nicht so riesig, wie sich auch Michael Gorgs erinnert. Der langjährige NGZ-Redakteur für Dormagen und heutige Pressesprecher der Stadt Meerbusch war vor 25 Jahren „mittendrin“. Es war der „klassische Sommerloch-Füller, der viel Spaß gemacht hat“, sagt Gorgs: „Der Hype wurde immer größer.“ Experten meldeten sich bei der NGZ, zudem Tierschützer und ganz viele Interessierte. Vieles davon fand als „Echsen-Splitter“ auch Eingang in die Berichterstattung. Das Badeverbot aus Sicherheitsgründen fanden natürlich einige Strabi-Nutzer gar nicht gut, schließlich war damals auch Traumwetter. Am 16. Juli 1994 titelte die NGZ mit: „Happy-End am See: ,Sammy’ wohlauf“. Als der nur 80 Zentimeter lange Kaiman aus dem See gefischt wurde, so erinnert sich Michael Gorgs, hieß es: „Och, wie niedlich!“ Ein „echtes Déjà-vu“ erlebte Gorgs, als im vorigen Sommer im Latumer See eine Anakonda ausbüxte: „Das war fast wie bei Sammy“, sagt er lachend.Und was da alles vor 25 Jahren geschah: Mit Schleppnetzen, Keschern und Gewehren gingen die Sammy-Jäger zu Wasser und zu Land auf die Pirsch. Von einem Köder aus blutigem Rinderfilet ließ sich Sammy ebenso wenig anlocken wie vom Brunftruf-Imitator. In der dritten Nacht nach der Flucht dann die Meldung: Das Reptil sei erschossen worden. Mit 99-prozentiger Sicherheit sei einer von drei Schüssen auf ihn tödlich gewesen, teilte die Polizei damals mit. Doch weit gefehlt: Einige Stunden später wurde Sammy lebendig gesichtet. Immer mehr Stimmen forderten Gnade für Sammy. Ein Fanclub, Vereine und Wissenschaftler aus ganz Deutschland verlangten, sein Leben zu schonen. Auch NRW-Innenminister Herbert Schnoor (SPD) schaltete sich ein: „Sammy muss leben!“ Am 15. Juli nahm Sammys Ausflug ein glückliches Ende: Ein Sporttaucher entdeckte den Kaiman etwa einen Meter unter der Wasseroberfläche und fing ihn mit bloßen Händen.Für den erschöpften Sammy begann eine Odyssee: Zunächst erholte er sich im Kölner Zoo, ehe er Exil im Tierpark Falkenstein in Sachsen fand. „Der war nicht zahm, das war ein richtig wilder Kaiman“, sagte die Falkensteiner Zooleiterin. 2006 gab der Tierpark das anderthalb Meter lange Reptil ab. Bis zu seinem Tod 2013 lebte Sammy allein in einem Gehege auf einer Alligator-Farm in Hessen.

Ein Schild warnte vor 25 Jahren vor dem Baden im Strabi. Foto: dpa/Stephan Jansen
Plastik-Krokodile am Strabi und „Großwildjagd“ – vor 25 Jahren stopfte die Geschichte um „Sammy“ so manches Sommerloch. Foto: Michael Reuter
Am 10. Juli 1994 war der Brillenkaiman „Sammy“ in den Straberg-Nievenheimer See entwischt. Fünf Tage darauf wurde er wieder eingefangen. Zuvor hatte er tagelang für auch mediale Aufregung gesorgt. Foto: dpa/Stephan Jansen
Das neue Dormagener Stadtbad trägt den Namen „Sammys“. Foto: Carina Wernig

Inzwischen sind 25 Jahre vergangen, trotzdem bleibt „Sammy“ weiter in Dormagen präsent. So erhielt das im Juli 2017 eröffnete Stadtbad Dormagen den Namenszusatz „Sammys“.

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