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Dormagen: "Zartbitter" - Komödie über den Kampf der Geschlechter

Kammertheater in Dormagen : „Zartbitter“: Komödie über den Kampf der Geschlechter

Das Kammertheater Dormagen feiert Fünfjähriges und hat im „Geburtstags-Spielplan“ seinen Schwerpunkt „Komödie“ getoppt. Am Wochenende gab es mit „Zartbitter“ einen exaltierten Kampf der Geschlechter.

Geschrieben hat das Stück der Düsseldorfer Regisseur, Autor und Schauspieler Lars Lienen. In Düsseldorf wurde die Komödie auch 2009 uraufgeführt. In Dormagen spielt Lienen die Rolle des Tom Jones selbst. Dabei hat er mit seinen 43 Jahren mit dem walisischen Popsänger Tom Jones (80) wenig gemein. Aber in seinen Stücken spielt britisches Ambiente und auch der entsprechende hintergründige Humor eine große Rolle. Ausgerechnet „Zartbitter“ spielt aber in einer anderen europäischen Großstadt: In der Chocolaterie der Madame Picard ist Samantha Smith, genannt „Sam“, die ungekrönte Königin: „Sie lässt Kaskaden von Aromen auf der Zunge vergehen.“ Wegen ihres großen Erfolges stellt Madame Picard mit Tom Jones einen weiteren Chocolatier ein. Und es beginnt ein bitterböser Kampf der Geschlechter.

Sam will den Konkurrenten so schnell wie möglich los werden, vollführt aber ein wahres Schokoballett, als sie eine seiner ersten Kreationen probiert. Susan Fararuni glänzt in der Rolle der Sam und spielt den Autor und Regisseur glatt an die Wand. Durch einen Zufall erfahren beide, dass Sams Mann Jack Smith ausgerechnet der schwule Freund von Tom Jones ist. Nun sind Schwule entweder die besten Freunde einer Frau oder aber ihre härtesten Gegner. Tom Jones gehört zu den Letzteren, vor allem aus Not. Denn Sam, die ja sooo tolerant ist, nennt Tom den „Popo-Prinz“, und überhaupt: „Welcher heterosexuelle Mann füllt seine Schokolade mit Paprika-Ananas-Creme?“

Weil auch diese Komödie ein Happy End hat, pflegen Sam und Tom eine Freundschaft, die inniger nicht sein kann: Sie planen, Jack gemeinsam umzubringen. Aber: „Wir sind doch keine Mörder!“ So endet die Geschichte mit einem abstrusen Plan.

Im Mittelpunkt des sehr zweckmäßigen Bühnenbildes (Patrick Woitschek) stehen Sam und Tom für etliche witzige Klischees des Umgangs zwischen schwulen Männern und Frauen. Das geschieht vollkommen respektlos, bis auf eine Ausnahme aber nie geschmacklos. Die Einrichtung des Stückes, das seit der Uraufführung im Theater Nero in Erkrath gespielt wird, für das Kammertheater Dormagen ist Sabine Misiorny und Tom Müller vollauf gelungen. Peter Pollok und Uwe Dombrowski sorgten für reibungslose Technik und spielten kongenial zur Komödie passende Musik ein. Zur Versöhnung der beiden Chocolatiers in einer Küche klärt dann auch die Musik über die europäische Großstadt auf: „Les Champs-Élysées“ von Joe Dassin (1969) ist zugleich das wahre Happy End: „Wir beide sind froh, wenn wir uns wiedersehn!“