Dormagen: Umfrage zu Duisberg-Straße startet

Umstrittener Namensgeber : Umfrage zu Duisberg-Straße startet

2015 wurde die Stadt mit der Befragung zu einer Straßen-Umbenennung beauftragt.

Ein Straßenname war im Jahr 2015 Auslöser von langen Diskussionen in der Politik. Es geht um die Carl-Duisberg-Straße, die von der Pommernallee abzweigt. Kritiker fordern die Umbennung, weil der Namensgeber Carl Duisberg eine umstrittene Persönlichkeit ist. Das Thema ist bis heute ungeklärt. Die Ratsfraktion der Grünen, die neben den Piraten/Die Linke sich per Antrag für die Umbenennung damals stark gemacht haben, fragen jetzt nach dem aktuellen Stand. Getan hat sich seit November 2015 wenig. Aber in diesem Monat will die Stadt dem Auftrag nachkommen und die betroffenen Eigentümer und Mieter befragen, ob sie eine Umbenennung wünschen.

Vor dreieinhalb Jahren konnten sich die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses nicht dazu durchringen, die Carl-Duisberg-Straße und die Hindenburgstraße in Nievenheim umzubenennen. Sie vertagten eine Entscheidung und folgten einem Vorschlag von Bürgermeister Erik Lierenfeld, wonach die Stadtverwaltung in der bis Herbst 2020 laufenden Wahlperiode eine Umfrage vorbereiten soll. Die Anwohner sollen kundtun, ob sie eine Umbenennung wünschen oder ob sie, wenn sie sich dagegen aussprechen, alternativ die Aufstellung einer Tafel mit Erläuterungen zum historischen  Hintergrund des Namensgebers der Straße wollen – ein damaliger Vorschlag des CDU-Mitglieds Hermann Harig. Einige Politiker erwarten, dass die Anwohner sich gegen eine Umbenennung aussprechen, alleine wegen der Folgen, die mit einer Adressenänderung verbunden wären.

Ein Expertengremium hatte zu Duisberg und Hindenburg detailliertes Material zusammengetragen, ohne eine Entscheidungsempfehlung abzugeben. Über Duisberg, dem sie unternehmerisches Geschick und herausragende organisatorische Fähigkeiten bescheinigten, hieß es damals unter anderem: „Duisberg engagierte sich (...) massiv für die Erfindung und Produktion von Giftgas im Ersten Weltkrieg. Dieser historische Befund ist unstrittig. Die Quellen belegen zudem, dass Duisberg mit dem Gaseinsatz kaum moralische Bedenken verband (...)“. Die Experten zitierten aus einem Duisberg-Brief von 1915: „Dieses Chlorkohlenoxyd ist das gemeinste Zeug, das ist kennen (...) Die einzig richtige Stelle aber ist die Front, an der man so etwas heute probieren kann (...)“. Am Donnerstag haben die Planungspolitiker Gelegenheit, an die Diskussion von 2015 anzuknüpfen.

(schum)
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