Dormagen: Ückerather will als Seenothelfer Flüchtlinge retten

Engagement als Seenothelfer : Ückerather will helfen, Flüchtlinge zu retten

Der 22 Jahre alte Lukas Funck möchte Mitte August mit dem Seenotrettungsschiff „Alan Kurdi“ von Valancia auslaufen.

Am 23. August will die „Alan Kurdi", ein Schiff der in Regensburg ansässigen Seenotrettungsorganisation „Sea-Eye", von Valencia auslaufen, um entlang der Such- und Rettungszone an der nordafrikanischen Küste Ausschau nach Flüchtlingsbooten zu halten. Mit an Bord sein wird dann Lukas Funck (22) aus Ückerath. Das Massensterben von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer beschäftigt ihn schon lange, doch bei Empörung oder Spenden an Hilfsorganisationen mag es Funck nicht mehr belassen.

Lukas Funck will helfen und nicht tatenlos zusehen. Dafür wurde der Ückerather auf Facebook auch angefeindet. Foto: Georg Salzburg(salz)

„Ich will später meinen Kindern und der Generation nach mir keine Erklärung schuldig sein, wenn sie einmal fragen, was ich damals gemacht habe", beschreibt er seine Motivation. Angesichts von mehreren 10.000 Toten im Mittelmeer besteht für ihn nicht der geringste Zweifel: „Wir sind es den Menschen schuldig, sie zu retten." Schon im vergangenen Jahr wollte der junge Mann sein Vorhaben realisieren und war nach Malta gereist. Zu Rettungsaktionen kam es seinerzeit nicht, „denn die maltesische Armee hat uns vier Wochen lang im Hafen festgehalten", blickt er auf den August 2018 zurück. „In der Zeit, als wir nicht auslaufen konnten, sind mehrere hundert Menschen ertrunken", sagt er nicht ohne Bitterkeit.

Obwohl sich auf Malta eigentlich der Heimathafen der „Alan Kurdi" befindet, können von der Insel ebenso wenig wie von Italien aus noch Rettungsfahrten unternommen werden. Daher wird das Schiff in der kommenden Woche von Valencia auslaufen. Da Lukas Funck bei „Sea-Eye" bereits registriert war, konnte er es diesmal mehr oder weniger dabei belassen, sich bei den Seenotrettern für einen Einsatz zu melden.

Anders sieht es für diejenigen aus, die ganz neu dabei sind. „Man muss schon eine ganze Menge Papiere ausfüllen und Scheine und Lizenzen vorweisen", erzählt er. So verfügt der sportliche junge Mann, zu dessen Hobby unter anderem das Kickboxen zählt, über den Bootsführerschein und ist auch ansonsten „seetüchtig". Ist dieses Prozedere überstanden, werden die Seenotretter geschult. Dabei geht es natürlich nicht zuletzt darum, „wie gerettet wird", wie Funck sagt.

Einen besonders wichtigen Teil der Schulungen macht der Umgang mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus, an denen fast alle geretteten Bootsflüchtlinge leiden. Funck hat sich im Mai bei „Sea-Eye“ gemeldet und erhielt im Juli den Bescheid, dass er im August an Bord gehen könne. In seinem persönlichen Umfeld stößt sein Engagement auf unterschiedliches Echo. Uneingeschränkten Rückhalt findet er bei seiner Freundin, seinen Eltern und den meisten seiner Freunde.

„Aber es gibt auch solche, die ein Problem damit haben und sich teilweise abwenden", sagt Funck, der in Neuss Sozialpädagogik und Soziale Arbeit studiert sowie studienbegleitend an der Salvator-Grundschule in Nievenheim tätig ist. Einen Shitstorm übelster Art hat er sich auf Facebook eingefangen, als er dort auf seinen bevorstehenden Einsatz hingewiesen hatte. Einschüchtern kann ihn das aber keineswegs. Das Gegenteil ist der Fall: „Ich fühle mich durch solch menschenverachtende Kommentare eher angespornt", kommentiert er die Hasstiraden aus der rechten Ecke. Weitere Einsätze als Seenothelfer schließt Lukas Funck nicht aus.

„Ich hoffe natürlich, dass Seenotrettungen irgendwann nicht mehr nötig sind, aber wenn ich mich in der Lage sehe, werde ich weiter versuchen, zu helfen."

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