Tierschutz in Dormagen Peggy hat endlich ein neues Zuhause

Dormagen · Die Hündin wurde einfach weitergereicht. Verwahrlost und abgemagert kam sie ins Dormagener Tierheim zurück. Warum es so weit kommen konnte.

 Peggy wog zehn Kilogramm weniger, als sie eigentlich sollte. Sie war in keinem guten Zustand, als sie wieder ins Tierheim kam. Dort wurde sich gut um sie gekümmert, sodass sie schnell zunahm.

Peggy wog zehn Kilogramm weniger, als sie eigentlich sollte. Sie war in keinem guten Zustand, als sie wieder ins Tierheim kam. Dort wurde sich gut um sie gekümmert, sodass sie schnell zunahm.

Foto: Tierheim Dormagen

Eigentlich sollte Hündin Peggy endlich ein liebevolles Zuhause gefunden haben, als sie vor etwa einem halben Jahr an eine junge Frau um die 30 vermittelt wurde. Umso entsetzter waren Babette Terveer und die anderen Mitarbeiter des Dormagener Tierheims vor einigen Wochen, als Peggy wieder dort aufgenommen wurde - abgemagert und verängstigt. Was war passiert? Entgegen der vertraglichen Vereinbarungen hatte die junge Frau die Hündin schon nach einer Woche einfach weitergereicht. Die 85 Jahre alte neue Besitzerin war nicht in der Lage, sich um Peggy zu kümmern und vernachlässigte das Tier, gab ihm nichts zu essen. „Zum Glück ist das einer aufmerksamen Nachbarin aufgefallen, die das Veterinäramt angerufen hat“, sagt Babette Terveer, Vorsitzende des Dormagener Tierschutzvereins.

So eine Tiervermittlung passiert nicht einfach zwischen Tür und Angel. Die Tierschützer prüfen genau, ob Menschen, die einen Hund, eine Katze oder auch ein Kaninchen adoptieren möchten, auch geeignet sind und den Tieren ein liebevolles und artgerechtes Zuhause geben können. „Nach einem halben Jahr machen wir noch einmal einen Nachbesuch, um festzustellen, ob das Tier gut versorgt ist und alles klappt“, erklärt Terveer. Weil die Dame so schnell den Hund weitergegeben hat, war das zunächst nicht aufgefallen. Wahrscheinlich ist Peggy verkauft worden. „Das ist ein klarer Vertragsverstoß, den wir prüfen lassen. Und wir behalten uns weitere Schritte vor“, betont sie. Was sie auch erzürnt: „Wir bieten immer Hilfe an, auch Hundetraining ist möglich“, sagt sie. „Und wenn es wirklich nicht passt, nehmen wir die Tiere auch zurück. Aber so einen Fall habe ich noch nicht erlebt.“

Kollegen aus einem anderen Tierheim, in das Peggy vom Veterinäramt nach der Sicherstellung gebracht worden war, kamen über die Registrierung der Organisation „Notpfote“ auf die Vermittler aus Dormagen, die Peggy wieder aufnahmen. „Die Kollegen hatten schon gute Arbeit geleistet, denn sie wog nur noch zwölf Kilo, als sie in Obhut genommen wurde - eigentlich sollte sie zwischen 20 und 22 Kilo wiegen“, so Terveer. Die Dormagener Tierschützer peppelten sie wieder auf und Peggy hatte Glück: Maria Schmidt aus Nörvenich sah ihr Foto im Internet. „Ich habe ihr Bild und die Beschreibung bei Google gefunden“, erzählt sie. „Ich war hin und weg. Diese Augen haben mich sofort angesprochen, es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick.“ Auch Babette Terveer ist sicher, dass Peggy nun das passende Zuhause gefunden hat. „Wir sind immer vorsichtig, weil wir das auch anders erleben, aber hier sind wir sicher, dass es passt“, ist sie überzeugt.

 Bei Maria Schmidt fühlt Peggy sich wohl und fasst von Tag zu Tag mehr Vertrauen. Sie liebt es, spazieren zu gehen.

Bei Maria Schmidt fühlt Peggy sich wohl und fasst von Tag zu Tag mehr Vertrauen. Sie liebt es, spazieren zu gehen.

Foto: Tierheim Dormagen

Seit zwei Wochen lebt die Hündin nun bei Maria Schmidt. „Von Tag zu Tag wird sie ein bisschen zutraulicher“, erzählt sie. „Ich lasse sie ganz in Ruhe und warte ab, bis sie kommt und was sie gerne möchte.“ Peggy sucht häufig die Nähe ihrer neuen Bezugsperson, ist aber noch vorsichtig. „Aber es wird täglich mehr, das wird schon.“ Maria Schmidt ist Hundeliebhaberin mit Leib und Seele und hat viel Erfahrung mit schwierigen Hunden. „Ich kann einfach nicht ohne Hund sein“, sagt sie. „Und die Peggy ist so ein liebenswertes Tier, überhaupt nicht aggressiv, sie ist eine wahre Bereicherung“, schwärmt die 74-Jährige. „Sie ist mein vierter Hund aus dem Tierschutz, ich möchte diesen Hunden gern ein Zuhause geben. Ich mag die Herausforderung“, sagt sie. „Wenn es Schwierigkeiten gäbe, würde ich mich an meinen Hundecoach wenden, den ich lange kenne, aber ich niemals würde ich den Hund wieder weg geben. Das käme für mich überhaupt nicht infrage.“ Maria Schmidt ist sich sicher, dass Peggy ihre Ängste verliert. „Man braucht eben etwas Geduld. Aber gestern war sie auf dem Hundeplatz und ist ohne Leine mit einer anderen Hündin herumgetollt - das war so schön zu sehen, sie ist fröhlich und mit ihren neuen Jahren topfit.“

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