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Dormagen: Tagebucheinträge aus der französischen Besatzungszeit

Rätsel der Stadt Dormagen : Tagebucheinträge aus der französischen Besatzungszeit

Wenn Joan Peter Delhoven heute leben würde, wäre er vermutlich ein begeisterter Blogger. Bei Facebook würde er seinen Beziehungsstatus veröffentlichen: Verheiratet mit Anna Katharina Hendrichs und Vater von drei Kindern.

Für Instagram würde er Fotos von der Einquartierung der Soldaten machen. Und auf YouTube könnte man Videos von der guten Ernte und dem zugefrorenen Rhein sehen. Da es diese sozialen Medien im 18. Jahrhundert noch nicht gab, griff er zum Stift und führte 40 Jahre lang Tagebuch über die großen und kleinen Ereignisse in Dormagen und den umliegenden Ortschaften.

Sein Werk ist deswegen so bedeutend, weil es eine der wenigen privaten Aufzeichnungen der französischen Besetzung des Rheinlandes ist. Joan Peter Delhoven wurde am 4. oder 5. Februar 1766 in Dormagen geboren. Sein Nachname weist darauf hin, dass seine Familie aus Delhoven stammt. Er war als Landwirt, stellvertretender Küster und Handelsmann tätig.

Bereits als Jugendlicher begann Delhoven mit dem Aufschreiben seiner Chronik. Sehr viele seiner Einträge beschäftigen sich mit militärischen Truppenbewegungen. Am 17. Februar 1795 zitiert er einen Offizier: „Ich habe Schwarzen und Weisse gesehen, bin in Constantinopel und Surinam gewesen, habe aber so edle Menschen nicht gefunden, wie hier zu Dormagen.“ Die letzte Notiz ist vom 29. November bis 7. Dezember 1823: „entsetzlich stürmisch“. Delhoven starb am 1. Januar 1824 mit 57 Jahren.

Seine rheinische Dorfchronik wurde zum ersten Mal 1926 in einer stark gekürzten Buchausgabe veröffentlicht. 1966 erschien eine Neuauflage, die einen Stammbaum des Chronisten erhielt. Auch das Personen- und Ortsverzeichnis im Anhang des Buches ist interessant. Dort kann man schnell nachsehen, ob die eigene Familie in der Chronik erwähnt wird. Die Originalhandschrift wird heute im Archiv des Rhein-Kreises Neuss aufbewahrt. Der Text lässt sich auch online im frei nutzbaren Stadtlexikon „ZonsWiki“ lesen.